Einserfrage: Wer soll der nächste Papst werden?

19. April 2005, 18:11
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Es antwortet: Hans-Peter Hurka, Vorsitzender der Plattform "Wir sind Kirche"

derStandard.at: Es gibt Spekulationen, der nächste Papst würde aus Lateinamerika oder Afrika kommen. Was spricht dafür?

Hans-Peter Hurka: Die große Zahl der KatholikInnen, die Fragen der Menschen wie zum Beispiel Krieg, Hunger, Aids, die nach einer Lösung harren, und die Sicht des Glaubens und der Gesellschaft in diesen Regionen mit ihrer Über- und Unterordnung, die sehr dem Glauben und der Spiritualität unseres letzten Papstes gleicht.

derStandard.at: Welchen Unterschied würde es machen, wenn der Papst nicht aus Europa, sondern aus einem Dritte-Welt-Land kommen würde?

Hurka: Es könnten Impulse gegeben, die ein Europäer nicht geben würde. Dies könnten statt Großveranstaltungen ein unmittelbarer Zugang zu den Menschen sein oder neue Formen in der Liturgie, welche die Buntheit der verschiedenen kulturellen Elemente je Region und damit die Anliegen der Menschen unmittelbar durch verständliche Zeichen vor allem zum Ausdruck bringen.

derStandard.at: Wie viel Einfluss übt der Papst selbst eigentlich auf die Ausrichtung der Kirche aus?

Hurka: Wie viel Einfluss er tatsächlich ausübt hängt von der Person selbst ab. Rechtlich hat er fast die Befugnisse eines absolutistischen Herrschers mit wenig Einschränkungen, wenn auch nicht alles was er sagt unfehlbar ist oder als unfehlbar gehalten werden muss. Grenzen setzen ihm die physischen Möglichkeiten, weil er sich schon aus zeitlichen Gründen gar nicht um alles kümmern kann.

derStandard.at: Wen hätten Sie gerne als nächsten Papst?

Hurka: Ich wünsche mir einen weltoffenen Papst der auf Menschen zugehen und hinhören kann und gemeinsam mit ihnen nach Lösungen sucht, die dem Angebot Gottes nach einem Leben in Fülle entsprechen. Fragen zu stellen und das Gewissen der Menschen zu achten wird hier wichtiger sein als gleiche, fix vorgeformte Antworten in unterschiedlichen Situationen vorzugeben.

Ich wünsche mir einen Papst, der auf die Glaubwürdigkeit der Kirche achtet und die Menschenrechte oder das Subsidiaritätsprinzip nicht nur zu Recht für die Welt fordert sondern in der Kirche vorlebt. Der Frauen nicht nur in Gips- oder Holzstatuen verehrt, sonder ihnen grundsätzlich die gleichen Rechte und Pflichten zubilligt wie Männern, der die Ehe und die Sexualität nicht grundsätzlich als Hindernis für Sakramente sieht, der ein Volk Gottes sieht und dieses nicht in die zwei Klassen der Kleriker und Laien spaltet, der homoerotische Neigungen als eine Form der Sexualität achten kann.

Einen der Mut hat, Fehler als solche auch bei sich zu benennen und das Vertrauen ausstrahlt, wieder neu beginnen zu können. Einen, der Auferstehung, Überwinden des Todes, Neubeginn trotz Fehler und Schwächen verkörpert. Wenn er und die vielen ChristInnen dies tun kann nicht nur Ökumene erfahren sondern Gottes Liebe und Barmherzigkeit greifbar werden. (sof)

Hans-Peter Hurka ist Vorsitzender der Plattform "Wir sind Kirche".

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