Wien lief heuer weiter gut - Nebenmärkte bleiben im Fokus

15. April 2005, 16:03
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Wer in österreichischen Aktien investiert war, konnte mit dem ersten Quartal durchaus zufrieden sein - Plus 8,3 Prozent im ATX können sich sehen lassen

Von den umliegenden Märkten übertrafen nur die Osteuropäer (CECE-Index +9,6 Prozent, Höchststand im März sogar +21 Prozent) die Wiener Börse. Europa (Eurostoxx 50 +3,5 Prozent, DAX +2,2 Prozent) kam da kaum mit.

Die US-Börsen (Dow Jones -2,6 Prozent, allerdings bei einem stärkeren Dollar) und Japan (Nikkei 225 +1,7 Prozent) ebenso wenig. Aber noch wichtiger: Die Gewinnzahlen der heimischen Börsenunternehmen, die bisher bekannt gegeben wurden, haben die hohen Erwartungen weitgehend erfüllt und die Kurse untermauert.

Den leichten Rückgang seit dem bisherigen absoluten ATX-Höchststand im März bei 2804 sieht Brigitte Kuras, Chefanalystin der RCB, als "Verschnaufpause eines Rennpferdes". Zum Jahresende erwartet sie den ATX bei 3000 (mit einer Bandbreite von 2700 bis 3100). Allerdings schätzt Kuras das Wachstum der österreichischen Wirtschaft mit 2,2 Prozent für 2005 viel positiver ein als etwa Stefan Bruckbauer von der BA-CA, der seine Prognose kürzlich sogar von 1,9 auf 1,7 Prozent zurücknahm, freilich für 2006 mit 2,4 wesentlich optimistischer als Kuras (1,8) ist.

Optimistischer zeigt sich die Erste Bank mit Prognosen von 2,2 Prozent für 2005 und 2,3 Prozent für 2006. Auffällige Differenzen zeigen sich auch in der Einschätzung einzelner Aktien. Während etwa die BA-CA in ihrer Marktanalyse März die OMV-Aktie als Sell einstuft und für 2005 einen Gewinn von 21,26 € pro Aktie schätzt, erwartet sich die RCB gerade von OMV eine sehr gute Performance, sieht den Gewinn bei 23,95 € und setzt daher das Kursziel bei 285 €.

Nicht ganz so krass sind die Unterschiede bei Böhler-Uddeholm, wo bei ähnlichen Gewinnschätzungen die BA-CA nur Halten empfiehlt, während die Raiffeisen-Banker ein klares Strong Buy aussprechen - Kursziel 130. Bei den Energie-Versorgern setzt die BA-CA auf EVN.

Die RCB sieht in der Verbund-Aktie das bessere Investment, nicht zuletzt wegen des Potenzials der Italien-Beteiligung Energia. In der Gesamtbewertung trifft sich die Constantia Privatbank mit den Analysen, wenn sie für die breiten Aktienmärkte die Aussichten nicht allzu gut einschätzt und Nebenmärkte wie Österreich, Osteuropa und Asien bevorzugt. (Nikolaus Dolenz, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.4.2005)

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