"Habe vom Flughafen mehr erwartet"

15. April 2005, 16:03
14 Postings

Vagn Sörensen dementiert im STANDARD-Interview, dass er Chef der Swiss werde - er prüft jedoch andere Job-Optionen

STANDARD: Wie sehen Investitionen in weitere Fluglinien im Osten nach der Beteiligung der AUA an Slovak Airlines aus?

Sörensen: Unsere Hürde für derartige Beteiligungen ist höher geworden. Je näher sich künftige Beitrittsländer der EU annähern, desto weniger ist es für uns von Nutzen, dort in Fluglinien zu investieren. Das macht nur Sinn, wenn wir daraus einen Mehrwert, etwa mehr Verkehrsrechte, erzielen, und die gibt es dann, wenn etwa Rumänien ein Mitglied der EU ist. Bei Ukraine International Airlines (AUA hält 22,5 Prozent) haben wir Vorteile erzielt und fliegen in der Ukraine fünf Städte an. Wir pflegen Partnerschaften, wie etwa mit Air Moldavia. Sicherlich, wenn Air Bulgaria zur Ausschreibung kommt, werden wir uns bewerben. Aber eigentlich hat es keine Priorität mehr.

STANDARD: Und bei Fluglinien anderer Länder, die nicht EU-Anwärter sind?

Sörensen: Das glaube ich nicht. Hier habe ich kein Ziel. Aber ich verstehe nicht, warum manche Länder, welche sich der EU annähern, noch immer restriktiv bei Verkehrsrechten sind. Wir möchten zum Beispiel so schnell wie möglich nach Iasi in Rumänien fliegen, dürfen es aber nicht.

STANDARD: Es gibt Interessenten, welche die restlichen 39,7 Prozent AUA-Anteile des Staates, oder Teile davon, erwerben wollen.

Sörensen: Ich kommentiere Eigentümerfragen nicht. Das ist nicht meine Hauptaufgabe. Wir konzentrieren uns darauf, im Wettbewerb im Ost-West-Verkehr gut aufgestellt zu sein.

STANDARD: Die Swiss wird Star-Alliance-Mitglied, machen Sie sich schon Gedanken über die künftige Zusammenarbeit?

Sörensen: Natürlich. Ich glaube, dass eine starke Kooperation auf der Route Wien-Zürich zustande kommen wird. Wir brauchen aber auch Genf und werden nun nach Basel fliegen. Swiss und AUA werden gegenseitig ihre Drehscheiben füttern, denn der Hub-Verkehr bringt das Geld.

STANDARD: Sie kennen das Gerücht, dass Sie als neuer Swiss-Chef gehandelt werden?

Sörensen: Ja, das kenne ich. Da ist nichts dran und ich bin auch nicht dazu gefragt worden, weder von Mayrhuber ( Chef der Lufthansa, Anm. d. Red.) oder von sonst wem. Ich habe einen Vertrag, den ich erfüllen werde. Ich bin zufrieden mit meiner Tätigkeit bei der AUA-Gruppe und hätte auch gerne verlängert.

STANDARD: Wann werden Sie bezüglich. einer Vertragsverlängerung (Der Vertrag läuft am 30. September 2006 aus, Anm. d. Red.) gefragt?

Sörensen: Ich weiß es nicht, vielleicht sechs bis neun Monate vor Ablauf des Vertrages. Aber es gibt natürlich auch andere Angebote und ich sehe mir Alternativen an, logisch.

STANDARD: Die Herausforderungen der AUA für 2005?

Sörensen: Teurer Treibstoff! Dem ist schwer gegenzusteuern. Jede Erhöhung der Ticketpreise aber treibt Kunden weg. Weiters muss Wien als Drehkreuz gegenüber anderen Flughäfen konkurrenzfähig bleiben. Vor allem, was die Gebühren anbelangt. Ich als Fluglinie muss meinen Hub schützen. Ich darf daher mit meinen Kosten nicht zu teuer werden, denn der Konkurrenzkampf geht auch um günstigere Hubs. Puncto Gebühren liegt Wien für uns aufgrund der Kosten-Incentives, die wir vom Airport bekommen, im Vergleich zu Europa im Mittelfeld. Doch wir geben diese Kosten-Incentives an unsere Passagiere weiter. Ich hätte mir eigentlich schon mehr Entgegenkommen vom Flughafen erwartet.

STANDARD: Was benötigt der Flughafen Wien?

Sörensen: Unbedingt mehr Star-Alliance-Carrier aus Übersee, ich würde mir eine United Airlines oder Singapore Airlines in Wien sehr wünschen.

STANDARD: Wie wird die AUA in fünf Jahren aussehen?

Sörensen: Wir werden unsere Stärke in Zentraleuropa mit bis zu 60 Zielen (gegenwärtig 41 Destinationen) weiter ausgebaut haben. Im Bereich Langstrecke ist es möglich, jedes zweite Jahr ein zusätzliches Langstreckenflugzeug zu integrieren. Die AUA wird stark eingebunden sein in der Star Alliance, vernetzt mit Lufthansa, und ich hoffe auch, dass wir enger mit Swiss fliegen. Aber in fünf Jahren wird die Eigentümerstruktur der AUA auch eine andere sein als heute. Das ist sicher. Unser Wille, eigenständig zu bleiben, ist ungebrochen. Vielleicht sind wir dann, als eigenständige Austrian Airlines, die große Ausnahme in der europäischen Luftfahrt. (Kurt Hofmann, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.4.2005)

Zur Person

Der Däne Vagn Sörensen (46) ist seit 1. Oktober 2001 AUA-Chef. Sörensen, der eigentlich den früheren SAS-Chef Jan Stenberg nachfolgen sollte, nahm 2001 einen Teil der Verantwortung auf sich, als SAS (Scandinavian Airlines) von Brüssel gestraft wurde, weil sich diese mit der dänischen Maersk Air bei der Preisbildung abgesprochen hatte. Er kündigte und heuerte wenig später bei der AUA an. Sörensen ist Vater dreier Kinder, Golfspieler, Hobby-Winzer in Grinzing und Technik-Freak.

  • AUA-Chef Vagn Sörensen prüft andere Job-Optionen
    foto: standard/corn heribert

    AUA-Chef Vagn Sörensen prüft andere Job-Optionen

Share if you care.