Kardinal Königs Schlüsselrolle

19. April 2005, 18:41
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Der verstorbene Wiener Kardinal Franz König spielte eine Schlüsselrolle bei der Wahl Karol Wojtyla zum Oberhaupt der katholischen Kirche im Oktober 1978

Es war bei einer Veranstaltung im Polnischen Institut in Wien im April 1992. Der Kardinal berief sich auf die Schweigepflicht der Konklave-Teilnehmer. Aber er widersprach auch nicht, als die Historikerin Erika Weinzierl sagte, Franz König habe soeben bestätigt, dass er es gewesen sei, der den polnischen Papst "gemacht" habe.

Dass die vatikanische Ostpolitik entscheidend zum Zusammenbruch des Kommunismus beigetragen hat, ist mittlerweile historisches Allgemeingut. Dass Franz König ihr Architekt war, ebenfalls. Wie dieser Gesinnungswandel in Rom (und der westlichen Kirche insgesamt) begann, der sich im Oktober 1978 mit der Wahl Karol Wojtylas zum Papst erstmals spektakulär manifestierte, schilderte der Wiener Alterzbischof in berührenden Worten am erwähnten Abend im Polnischen Institut.

König berichtete von seinem ersten Treffen mit dem polnischen Primas Kardinal Stefan Wyszynski im Mai 1957, als dieser auf dem Weg nach Rom durch Österreich reiste: "Damals begann ich zu ahnen, wie wenig wir vom Osten eigentlich wussten."

Später, als sich ein starkes Vertrauensverhältnis entwickelte, habe ihm Wyszynski gesagt, wie schmerzlich er es empfunden habe, dass Papst Pius XII. ihn damals mehrere Tage auf die Audienz warten ließ. Pius' berühmtes Dekret von 1949 hatte allen Katholiken, die Kommunisten aktiv unterstützten, mit Exkommunikation gedroht. Dazu sagte König: "Das hieß: Mit Kommunisten kann man nicht verhandeln. Mit dieser Haltung aber hätte die Kirche im Kommunismus nicht überleben können."

"Noch ein Kardinal"

Im Oktober 1978 führte König in Rom kurz vor dem Konklave zur Wahl des neuen Papstes mit Wyszynski ein Gespräch. Dieses gab er folgendermaßen wieder: Wyszynski habe ihm gesagt, er sehe keinen Kandidaten, der papabile (zum Papst geeignet und auch chancenreich) wäre. Darauf König: "Aber Polen hätte vielleicht einen Kandidaten." - Darauf Wyszynski, der für seinen scharfen Antikommunismus bekannt war: "Meinen Sie, ich soll nach Rom gehen? Das wäre der größte Erfolg der Kommunisten, wenn sie mich los wären. Das kommt nicht in Frage." - König: "Aber Polen hat ja noch einen Kardinal."

Wenige Tage später kam weißer Rauch aus der Sixtina. Karol Wojtyla, Erzbischof von Krakau und Polens zweiter Kardinal, wurde Johannes Paul II. Nach der feierlichen Amtseinführung des neuen Papstes kam es im Petersdom zu einer ergreifenden Szene: Wyszynski kniete vor Wojtyla nieder, um ihm den Ring zu küssen. Johannes Paul II. wollte dies verhindern, beugte sich zum Warschauer Erzbischof hinunter und umarmte ihn. So verharrten die beiden Männer mehrere Sekunden lang. (DER STANDARD, Josef Kirchengast, Printausgabe, 4.4.2005)

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