"Ein mutiger Schritt der Volksbanken"

15. April 2005, 16:07
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Investkredit-Chef Stadler erzählt im STANDARD-Interview, warum die Bank bisher gebremst wurde und wie sie nun Marktanteile aufholen will

STANDARD: Die Investkredit steht mitten in der Übernahme durch die Österreichische Volksbanken AG, ÖVAG, die derzeit 45,6 Prozent hält. Die ÖVAG bietet 123 Euro je Aktie, Sie als Vorstand haben Ihren Eigentümern die Annahme des Offerts empfohlen. Warum?

Stadler: Wir sind nach sorgfältiger Betrachtung aller Aspekte und gemeinsam mit exzellenten externen Beratern zum Schluss gekommen, dass das ein fairer und angemessener Preis ist, in dem ein strategischer Aufschlag enthalten ist.

STANDARD: Wie wird sich die Investkredit weiterentwickeln? Scharren Sie schon in den Startlöchern, um Ihren (Ex)eigentümern Konkurrenz zu machen?

Stadler: Für die Investkredit als Bank für Unternehmensfinanzierung ist das schon ein Neubeginn, von der sektorneutralen Bank hin zu einem echten, gleichrangingen Mitbewerber. Bisher waren wir die Bank aller Universalbanken, jetzt sind wir einer Universalbank zugeordnet und somit Konkurrent. Eigentlich ist das ein Schritt, der in Europa, etwa in Frankreich oder den Niederlanden, längst erfolgt ist: Aus einer Entwicklungsbank für den Wiederaufbau wird eine Bank für Unternehmen. Alles in allem kann das zu einer vernünftigen Bereinigung der Konkurrenzsituation beitragen.

STANDARD: Sind Sie zu erfolgreich geworden, haben die Bankaktionäre die Investkredit eingebremst?

Stadler: Unser Marktanteil hätte ohne die Einschränkungen einer Förderbank zweifellos höher sein können; am meisten eingegrenzt waren wir bei der herkömmlichen Unternehmensfinanzierung. Darum waren wir auch immer um Innovationen bemüht, was wiederum unseren Ergebnissen gut getan hat.

STANDARD: Wenn diese Bremse jetzt wegfällt: Wie wird sich Ihr Marktanteil von derzeit 15 Prozent entwickeln und in welche Geschäftsfelder wird die Investkredit einsteigen?

Stadler: Wir haben da keine Berechnungen, konzentrieren uns jetzt einmal ganz auf den Übernahmeprozess. Aus der Textierung des ÖVAG-Offerts ergibt sich jedenfalls, dass man die Funktionen der Investkredit im Kommerzkundengeschäft ausbauen will, etwa bei Anleiheprodukten, auf der Eigenkapital- und Börsenseite.

STANDARD: Bildlich gefragt: Wird da ein hungriger Hund von der Leine gelassen?

Stadler: So wenig Auslauf hatten wir nun auch wieder nicht. Weniger bildhaft ausgedrückt: In der Unternehmensfinanzierung rechnen wir mit einem jährlichen Wachstum der Bilanzsumme von einer Milliarde Euro, Kommunalkredit und Europolis werden wohl noch kräftiger zulegen.

STANDARD: Wo in Europa werden Sie weiter expandieren ?

Stadler: Wir werden uns in den Ländern der nächsten EU-Erweiterungsrunde engagieren, dort sind langfristige Kreditfinanzierungen ein knappes Gut. Dort können wir als Spezialbank unsere Stärken spielen lassen, erst recht mit unserer Kompetenz im Immobilienbereich, die jetzt um jene der ÖVAG ergänzt wird.

STANDARD: Also werden Sie Ihren derzeitigen Minderheitsaktionären RZB und BA-CA und Ihren Ex-Aktionären Bawag und Erste Bank in Zentraleuropa, wo das meiste Geld verdient wird, auf die Zehen steigen?

Stadler: So sehe ich das nicht. Als Spezialbank bleiben wir Kooperationspartner für die anderen Banken. Wir werden nicht nur Konkurrenten, sondern auch Partner sein.

STANDARD: Die Trennung von den Aktionären ist also mit einer Scheidung im Einvernehmen zu vergleichen?

Stadler: Es ist eher eine moderne Patchwork-Familie, die jetzt zu einer neuen Aufstellung kommt. Letztlich ist das ein Evolutionsschritt im österreichischen Bankensystem, bei dem es keine Verlierer gibt. Immerhin bekommen die, die uns loslassen und den Wandel mittragen, ihren Abschied mit einem Aktienpreis versüßt, von dem wir vor einem Jahr nicht einmal träumen konnten.

STANDARD: Wundert Sie der Einstieg der ÖVAG und dass ihr die Investkredit insgesamt 850 Mio. Euro, in altem Geld fast zwölf Mrd. Schilling, wert ist?

Stadler: Ich war absolut überrascht, dass sich die ÖVAG zu so einem mutigen Schritt aufschwingt. Ein Unternehmen ist immer so viel wert, wie es einem Käufer eben wert ist.

STANDARD: Sie hatten zuletzt schwierige Phasen mit Ihren Aktionären: Im Vorjahr haben sie Ihnen die Kapitalerhöhung abgedreht. Alles vergeben?

Stadler: Wir sind damals klimatisch durch rauere Phasen gegangen, hatten aber sehr rasch wieder ein gutes Gesprächsklima. Die Investmentbanker haben unseren Eigentümern die Augen darüber geöffnet, welches Potenzial in der Investkredit-Gruppe liegt. Das hat den Kapitalmarkt aufgeweckt und gab letztlich den Anstoß für den Verkaufsprozess. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.4.2005)

ZUR PERSON

Wilfried Stadler (53) ist seit 1995 im Vorstand der Investkredit AG, die damals von der Förderbank zur Bank für Unternehmens­finanzierung umgebaut wurde. Vor seinem Eintritt in die Bank 1987 war der Salzburger rund drei Jahre wirtschaftspolitischer Referent von Wolfgang Schüssel, damals Wirtschaftsbund-Generalsekretär.

  • Artikelbild
    foto: standard/christian fischer
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