Geistesblitz: Die Faszination biologischer Systeme

2. April 2005, 19:00
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Molekularbiologe Michael Ausserlechner erforscht Therapeutika für leukämiekranke Kinder

Seit 1983 vergibt das Fürstentum Liechtenstein jährlich einen mit 7500 Euro dotierten Preis an Nachwuchswissenschafter der Uni Innsbruck. Meist wird er auf drei Einreichungen aufgeteilt, so auch heuer. Einer der Preisträger ist der 33-jährige Biologe Michael J. Ausserlechner. Ausgangspunkt seiner Arbeit sind die bei der kindlichen Leukämie eingesetzten Glukokortikoide. Diese Hormone der Nebennierenrinde können gezielt Krebszellen umbringen. Ein "Supertherapeutikum", erklärt Ausserlechner - aber es entkommen immer einige Tumorzellen, die nachfolgend eine Chemotherapie erfordern. DNA-Schäden und tödliche Sekundärtumore im jungen Erwachsenenalter sind häufig.

Die Arbeit Ausserlechners setzt dabei an, den Wirkungsmechanismus der Glukokortikoide zu untersuchen. Gelungen ist es ihm, zwei Gene ausfindig zu machen, die den Zellzyklus antreiben und durch diese Hormone abgeschaltet werden. Mit der "Zellzyklusbremse" soll nun erforscht werden, wie die Wirkung der Glukokortikoide auf alle Leukämiezellen ausgedehnt werden kann. "Was wir machen ist Grundlagenforschung", warnt allerdings Ausserlechner vor übereilten Hoffnungen.

Aufgewachsen ist der Jungforscher im kleinen Osttiroler Ort Thurn, am Sonnenhang des Zettersfelds oberhalb von Lienz. Sein Vater ist pensionierter Gendarm, die Mutter Hausfrau. Auch seine beiden älteren Schwestern absolvierten ein Studium, eine wurde Chirurgin, die andere Englischlehrerin. "Meine Faszination für die Naturwissenschaft ist schon alt", betont Ausserlechner. Am Realgymnasium blieb lange die Physik das favorisierte Fach, abgelöst von der Entscheidung, in Biologie zu maturieren.

Auch 15 Jahre später ist die Anziehungskraft der biologischen Systeme nicht geringer geworden und der Wunsch, an der "Maschinerie des Lebens" auf bisher unentdeckte Zusammenhänge zu stoßen, ungebrochen. Hinzugekommen ist ein realistischer Blick auf die Möglichkeiten, hierzulande zu forschen: "Für die Weltspitze fehlen uns die finanziellen Ressourcen." Zumindest auf mittlere Sicht will er jedenfalls in der universitären Forschung bleiben. Ausserlechner hat in Innsbruck Mikrobiologie studiert und schloss 1996 seine Diplomarbeit am Institut für Pathophysiologie bei Georg Wick ab. Bis 2000 folgte die Dissertation bei Reinhard Kofler und er blieb anschließend in dessen Forschungsgruppe Laborleiter. Seit knapp zwei Jahren leitet Ausserlechner das Molekularbiologische Forschungslabor der Innsbrucker Uniklinik für Kinder- und Jugendheilkunde, das eng mit dem Tiroler Krebsforschungsinstitut kooperiert.

Als Leiter ist Ausserlechner neben einer MTA der einzige Angestellte des Labors. Die derzeit fünf Mitarbeiter sind Studierende. Ein Zehnstundentag ist für Ausserlechner ebenso normal, wie die Tatsache, dass er die Hälfte seiner Arbeitskraft in den "erbitterten Kampf um Forschungsgelder" investieren muss. Einen Vorteil sieht Ausserlechner im ständigen Schreiben von Projektanträgen: Es helfe, die Gedanken zu bündeln und die Konkretisierung von Forschungszielen nicht aus den Augen zu verlieren.

Ausserlechner lebt in einer Partnerschaft, für Freizeitaktivitäten bleibe ihm nicht viel Zeit. Und wenn, sind sie sportlicher Natur: Bergsteigen und Joggen. (Hannes Schlosser /DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2. 4./3. 4. 2005)

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    illustration: oliver schopf
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