Berlusconi rechnet mit Niederlage

4. April 2005, 15:50
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Linke könnte Mehrheit der Regionen in Italien gewinnen

Rom - Ihre letzten Wahlkampfveranstaltungen hatten Italiens Parteien am Freitagmorgen wegen des sich verschlechternden Gesundheitszustandes des Papstes abgesagt. Doch Premierminister Silvio Berlusconi machte noch am Donnerstagabend bei einem Auftritt in einer Fernsehshow deutlich, wie viel für ihn bei den Regional- und Kommunalwahlen am Sonntag und Montag auf dem Spiel steht. Angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Konjunktur sei ein Sieg der Opposition nicht auszuschließen, meinte Berlusconi.

"Es wäre ein großes Problem, wenn die Opposition die Wahlen gewinnen würde. In den USA befürchtet niemand einen Sieg der Republikaner oder der Demokraten. Bei uns muss man befürchten, dass von der Opposition Initiativen kommen, die nicht demokratisch sind", sagte der Regierungschef und sprach von einer Aktion "politisch orientierter Richter".

Berlusconis Worte lösten hitzige Reaktionen aus. "Berlusconi ist zu allem bereit, um diese Wahlen zu gewinnen. Er befürchtet jedoch eine schwere Niederlage", kommentierte Oppositionschef Romano Prodi. Er wird bei den Parlamentswahlen im nächsten Jahr gegen Berlusconi antreten, der Italien seit 2001 regiert und bereits zum längst dienenden Premierminister in der republikanischen Geschichte des Landes aufgerückt ist. Die Regionalwahlen gelten deshalb als nationaler Testlauf.

42 Millionen Italiener sind zu diesen Wahlen in 14 der 20 Regionen des Landes aufgerufen, darunter auch in der industriereichen Lombardei und in Venetien, wo Demoskopen von einem sicheren Sieg der Rechtskoalition ausgehen. Dagegen erwarten sie in der Toskana, der Emilia-Romagna, in Umbrien, Ligurien, Kampanien, den Marken und der Basilikata einen Erfolg des linken Ölbaum-Bündnisses. Ungewiss ist der Ausgang in Piemont, Kalabrien, in den Abruzzen und in Latium, wo der Postfaschist Francesco Storace nach dem Ausschluss der Liste von Alessandra Mussolini auf seine Wiederwahl hoffen kann.

Sollte sich beim ersten Wahldurchgang in den Regionen kein Kandidat für die Präsidentschaft durchsetzen, sind Stichwahlen am 17. und 18. April geplant. Dasselbe gilt für den Kampf um den Bürgermeisterposten in den größeren Städten. (DER STANDARD, Printausgabe, 2./3.4.2005)

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