"Der fällt einfach um": Trauer um einen Entertainer

20. Dezember 2005, 16:56
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Als Berliner Frank Sinatra - mit Wodkaglas in der einen, Zigarre in der anderen Hand - gefiel sich Harald Juhnke am besten - So wird er auch in Erinnerung bleiben

Berlin/Wien - Gut möglich, dass Harald Juhnke der Witz gefallen hätte: Ein Schauspieler und Entertainer, der an einem 1. April stirbt. Ausgerechnet an dem Tag, an dem es Menschen aus unerheblichen Gründen gefällt, Schabernack mit anderen zu treiben. Juhnke stand für das Schalkhafte wie kein anderer.

Schon 1948 stand er angeblich auf einer zerbombten Bühne, im Schauspielhaus am Ostberliner Gendarmenmarkt, und rief in den leeren Saal: "Meine Damen und Herren, hier sehen Sie Harry Juhnke, der eines Tages der berühmteste Schauspieler Deutschlands sein wird."

Ob die Worte am 1. April fielen, ist nicht bekannt. Jedenfalls sollte es kein Scherz bleiben. Harry Heinz Herbert Juhnke wurde am 10. Juni 1929 im Berliner Armenviertel Wedding geboren. Sein Medizinstudium brach er ab und nahm stattdessen Schauspielunterricht. Den charmanten Schlawiner mit der Berliner Schnauze verkörperte er in unzähligen Film-, Fernseh-und Theaterproduktionen (Drei Mädchen spinnen, Harald und Eddie, Ein verrücktes Paar, Drei Damen vom Grill, Der Hauptmann von Köpenick). In späteren Jahren sehnte er sich nach Anspruchsvollem, darunter Peter Turrinis Alpenglühen oder im Kino Helmut Dietls Schtonk. Als Berliner Frank Sinatra - das Wodkaglas in der einen, die Zigarre in der anderen Hand - gefiel er sich selbst am besten, und als solcher wird er wohl in Erinnerung bleiben.

Berühmt war Juhnke aber auch aufgrund seiner Alkoholexzesse, das private und letztlich tödliche Drama seines Leben. Die im Showbusiness nicht seltene Lust auf den Rausch trug er, der Lebenskünstler, freilich eigentümlich öffentlich aus.

Als er, noch wenig bekannt, 1958 wegen Beleidigung und Widerstands gegen die Staatsgewalt und Trunkenheit am Steuer für sieben Monate ins Gefängnis musste, kümmerte das noch keinen. 1979 fehlte er bei Proben, kurz nachdem er Peter Frankenfelds Musik ist Trumpf übernahm und am Höhepunkt seiner Karriere angelangt war. Bis zu 30 Millionen wollten die Shows regelmäßig sehen. Fünf Jahre später, als er Hans Rosenthals Spielshow Dalli Dalli schwänzte, kündigte das ZDF ihn fristlos.


Zehn doppelte Whiskys

Von da an lebte er das Leben des Trinkers zwischen Absturz, Reue und nach außen getragenen Lebensweisheiten: "Alkohol kann zum Schwachsinn führen", diagnostizierte er etwa in einem Interview mit der Bunten. "Schwachsinn bedeutet das Ende . . . Du bist verloren, wenn der Kopf nicht mitmacht. Kaputt. Aus, Ende der Fahnenstange. So will ich nicht enden." In Fernsehauftritten war er zunehmend betrunken, und nachdem er im Juli 2000 in Wien in einer Bar zehn doppelte Whiskys und acht doppelte Wodkas getrunken hatte, kam er nicht mehr aus dem Griff des Korsakow-Syndroms, einer Alkoholikerkrankheit.

Seinen Tod sah er anders voraus: "Jemand wie ick stirbt nich, der fällt einfach um - und det mitten auf der Bühne, ohne Adieu zu sagen." Den 75. Geburtstag am 10. Juni 2004 erlebte er schon nicht mehr bewusst, zum großen Abschied auf der Bühne kam es nicht mehr. Harald Juhnke ist im Alter von 75 Jahren in einem Krankenhaus in der Nähe von Berlin gestorben. (DER STANDARD, Printausgabe, 02./03.04.2005)

von Doris Priesching

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    "Harald Juhnke - Ein Leben füt die Show"
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