Erlahmtes Interesse

17. Mai 2005, 20:46
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Früher redeten wir fast jeden Tag über Big Brother. Das war zur Zeit der Staffel, wo man sich fragte, ob Zlatko und Jürgen ...

Heute musste ich an Tscherkassky denken.

Tscherkassky ist der Filmemacher, der - wie jeder Leser des TV-Tagebuchs weiß - alle Folgen von Malcolm mittendrin kennt. Und darüber reden wir fast jeden Tag. Früher redeten wir fast jeden Tag über Big Brother. Das war zur Zeit der legendären Staffel, wo man sich fragte, ob Zlatko und Jürgen wirklich Freunde sind. Ob es fair ist, dass Kerstin aus dem Container gewählt wird. Ob in Hinkunft immer Konsenstypen wie Alex gewinnen.

Einige Freunde von uns haben sich über unsere "megakindisches Interesse für Menschenverachtung" maßlos geärgert. Und wir haben gelacht und gesagt: Sorry, das ist die Zukunft, und die üben wir jetzt, beziehungsweise wollen wir halt verstehen, was da läuft.

Lang, lang ist's her. Oder? Gestern musste ich an Tscherkassky denken, als ich auf RTL II ein paar Containerdorf-Bewohner in einer Designmöbelwohnlandschaft sah. Und ich hatte einen einzigen (vielleicht etwas merkwürdigen) Satz im Kopf: "Nein, ich will jetzt nicht Sex mit Nachtsichtgerät sehen."

Bevor ich weiterzappte, stellte ich noch schockiert fest, dass der etwas dickliche Moderator von Big Brother früher ein Sänger war, der die Titelmelodie beisteuerte. Scheinbar ist das ein multipel einsetzbarer Dauerangestellter des Container-Unternehmens, und hoffentlich muss er nicht demnächst selbst ins neue Container-Dorf. So, und jetzt rufe ich Tscherkassky an und frage ihn, ob er morgen die neue Malcolm-Folge aufzeichnet ... (cp/DER STANDARD; Printausgabe, 2./3.4.2005)

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