Ubuntu Linux: Zwischen "politisch korrekt" und "cool" liegt der Erfolg

19. Mai 2006, 14:51
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Gerade mal sechs Monate nach seinem Launch erfreut sich das freie Projekt reger Beliebtheit und eines glänzenden Images

Gebe es eine Wahl für die "coolste" Linux-Distribution, würde der Sieger wohl feststehen: Kaum ein anderes Projekt erfreut sich eines dermaßen positiven Rufs wie Ubuntu Linux. Gerade mal sechs Monate nach der ersten Release scheint die Linux-Welt "ubuntuisiert" zu sein, kaum eine Zeitschrift, die ohne Ubuntu auf der Cover-CD auskommt, zahlreiche Support-Seiten die sich speziell dem Thema widmen, sowie mittlerweile Platz 1 auf der Beliebtheitsskala von Distrowatch sprechen eine deutliche Sprache.

Korrekt

Kein Wunder, bemühen sich die Ubuntu-MacherInnen doch in Open Source-Hinsicht mehr als politisch korrekt zu sein: Die Entwicklung wird demonstrativ offen gestaltet, wo andere Distributoren oft Wochen warten, bevor sie ihre neuesten Produkte öffentlich zugänglich machen, gibt es bei Ubuntu täglich neue Installations- und Live-CD-Images. Wer will - und die nötige Internetverbindung zur Verfügung hat - kann die Entwicklung quasi "live" miterleben und täglich aktualisierte Pakete einspielen.

Kostenlos und frei

Ubuntu Linux geht darüber aber noch hinaus: Wer zur Verbreitung der Distribution beitragen will, kann sich im Rahmen des ShipIt-Programms kostenlos CD-Images zuschicken lassen. Auf der Webpage des Projekts heißt es, dass man sich dafür einsetze, dass Software frei und kostenlos sein müsse, auch Übersetzungen seien wichtig, um sie möglichst vielen Menschen zu Gute kommen zu lassen. Dieser Ansatz wird auch bereits aus der Wahl des Namens der Distribution ersichtlich: Das südafrikanische Konzept des "Ubuntu" kann lose mit "Menschlichkeit gegenüber anderen" übersetzt werden.

Technisches

Doch eine Distribution wird natürlich nicht nur wegen ihrer Philosophie geliebt, weitere Pluspunkte von Ubuntu sind auf der technischen Seite zu finden: Die topaktuelle Softwareausstattung kombiniert mit der stabilen - und sehr umfangreichen - Debian-Basis gehört dabei sicher zu den schlagendsten Argumenten. So erscheint die Preview-Release der halbjährlich erneuerten Ausgaben von Ubuntu Linux am gleichen Tag mit der Veröffentlichung der neuen Ausgabe des Unix-Desktops GNOME, dank Live-CD also auch eine gute Möglichkeit "gefahrlos" in die Neuerungen des Desktops hinein zu schnuppern.

Schlank

Ubuntu ist aber auch Vorreiter eines neuen Trends unter Linux-Distributionen: Dem zur "neuen Schlankheit". Sind die klassischen Distributionen wie SUSE, Mandrake und Red Hat über die Jahre immer umfangreicher geworden, so setzt Ubuntu lieber auf gezielte Auswahl der Komponenten, wodurch sich in Summe ein schmales, besser benutzbares und auch Ressourcen-schonendes System ergibt. Dieser Logik folgt auch die Wahl für einen einzigen Desktop und dessen Softwareangebot, KDE-Applikationen sucht man in der Default-Installation von Ubuntu vergebens. Doch auch KDE-LiebhaberInnen müssen mittlerweile nicht mehr verzagen, schließlich gibt es mit Kubuntu nun auch eine Ubuntu-Spielart, die den selben Weg aus KDE-Sicht geht, und gleichzeitig zur "normalen" Ubuntu-Release veröffentlicht wird.

Background

Möglich wird das Ganze durch die Firma Canonical, die das Ubuntu Projekt sponsort, Geld will diese allerdings ausschließlich über das Anbieten von professionellem Support rund um die Distribution machen. Die Software hingegen soll immer kostenlos bleiben, auch kostenpflichtige "Enterprise-Editionen", wie sie sonst üblich sind, soll es kein geben.

Finanzier

Hinter Canonical steht mit Mark Shuttleworth eine der schillerndsten Persönlichkeiten des IT-Business: 1973 in Südafrika geboren, gründete er mit 22 Jahren die auf Sicherheitszertifikate spezialisierte Firma Thawte, die er 1999 am Höhepunkt des IT-Booms äußerst gewinnbringend an Verisign verkaufte. Seitdem widmet er sich den unterschiedlichsten Projekten, so zum Beispiel der Shuttleworth Foundation, die Bildungsprojekte in Südafrika betreibt, sowie der Risikokapitalfirma HBD. Im Jahr 2002 macht Shuttleworth Schlagzeilen, als er an Bord eines russischen Raumfahrzeugs als erster Afrikaner ins Weltall reiste. Der Linux-Welt war Shuttleworth auch schon recht früh zugeneigt, so betätigte er sich bereits in den frühen 90iger-Jahren als Debian-Entwickler, bevor er 2004 mit Canonical zu diesen Wurzeln zurückkehrte. (apo)

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