Reinhold Würth erwirbt 150 Werke aus der Sammlung Essl

    30. November 2017, 21:40
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    Der deutsche Schraubenfabrikant und Kunstmäzen sichert sich 150 Werke aus der Sammlung Karlheinz Essls

    Künzelsau/Wien – Die Sammlung Würth wird einige Werke aus der Sammlung des Baumax-Gründers Karlheinz Essl erwerben. Konkret setzt sich das Konvolut aus bedeutenden Arbeiten von Künstlern wie Karel Appel, Georg Baselitz, Tony Cragg, Anselm Kiefer, Martin Kippenberger oder auch Maria Lassnig und Arnulf Rainer zusammen, wie die Deutsche Presse-Agentur vermeldet.

    Laut der Tageszeitung "Die Presse" handle es sich um insgesamt 150 Werke, die in den nächsten beiden Jahren in den Bestand des Kunstmäzens und Museumsbegründers Reinhold Würth wechseln werden.

    Filetierung seit 2014

    Der Abverkauf der vom Ehepaar Essl über Jahrzehnte aufgebauten und zuletzt im Museum in Klosterneuburg (seit Juni 2016 geschlossen) beheimateten Sammlung begann bereits 2014. Damals war bekanntgeworden, dass die Kollektion den Gläubigern der angeschlagenen Baumarktkette als Pfand diente. Der von Essl erhoffte Ankauf seitens der Republik blieb aus.

    Die von den Gläubigern eingeholten Gutachten internationaler Experten bezifferten den Wert der 4.900 Kunstwerke mit etwa 160 Millionen Euro, wobei 120 Millionen auf die in pucto Umfang bedeutend kleinere Tranche an internationalen Arbeiten entfiel.

    "Rettung" der Sammlung Essl

    Die Filetierung der Sammlung war seitens der Banken längst beschlossen, als Hans-Peter Haselsteiner ins Spiel kam, konkret ein Überbrückungskredit in der Höhe von rund 115 Millionen Euro, der Bonität des Bautycoons sei Dank. Man wurde handelseinig und gründete die SE-Sammlung Essl GmbH (60 Prozent Haselsteiner, 40 Essl).

    Zur Refinanzierung des Kredits gelangten in einem ersten Schritt bei Christie's in London 44 Werke international anerkannter Künstler zur Versteigerung. Weitere Verkäufe folgten. Die Deckung des bis 2024 laufenden Kredits habe keine Priorität, wie Haselsteiner im STANDARD-Gespräch mehrmals betonte.

    Dauerleihgabe Albertina

    Im Februar 2017 verlautbarten Kulturminister Thomas Drozda (SPÖ) und Albertina-Direktor Klaus-Albrecht Schröder den "Deal des Jahres": Bis 2044 wird die Sammlung Essl als Dauerleihgabe in der Albertina gastieren. Zur Deckung der Kosten für die "Depotmiete" am Standort Klosterneuburg, die Versicherung sowie die Übernahme von Mitarbeitern sicherte Drozda der Albertina 1,1 Millionen jährlich zu. Hochgerechnet auf die vereinbarte Leihdauer von 27 Jahren kalkuliert geht es, inklusive absehbarer Erhöhungen, um etwa 35 Millionen Euro an staatlicher Subvention.

    Angekündigte Verkäufe

    Um die Außenstände des Kredits zu bedienen, lagen weitere Verkäufe aus dem im Februar 2017 insgesamt 4.602 Kunstwerke umfassenden Bestand der Sammlung Essl auf der Hand. Sie würden sukzessive erfolgen, ohne den Kernbestand zu beschädigen, versicherte Haselsteiner, die Entscheidung darüber, welche Kunstwerke veräußert werden, obliege ausschließlich der Albertina.

    Laut Presseaussendung des Unternehmens Würth sei die Auswahl in enger Zusammenarbeit mit Essl und der Albertina erfolgt. (Olga Kronsteiner, 30.11.2017)

    • Kunstmäzen Reinhold Würth.
      foto: apa/neumayr

      Kunstmäzen Reinhold Würth.

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