Menschenrechtler: Außergerichtliche Exekutionen in Ostlibyen

    29. November 2017, 16:20
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    Human Rights Watch wirft General Haftar Untätigkeit vor

    Benghazi – Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) wirft dem libyschen General Khalifa Haftar Untätigkeit angesichts von schweren Menschenrechtsverletzungen in dem von seinen Truppen kontrollierten Osten des Landes vor. Im Herrschaftsgebiet von Haftars selbst ernannter Nationaler Libyscher Armee (ANL) sei es wiederholt zu außergerichtlichen Exekutionen gekommen, teilte HRW am Mittwoch mit.

    Haftar habe Aufklärung versprochen, jedoch nichts unternommen, so die Menschenrechtsorganisation. In der Nähe der Stadt Benghazi waren Ende Oktober die Leichen von 36 erschossenen Menschen entdeckt worden. Es soll sich um die Leichen von Islamisten handeln, darunter 19 Ausländer. General Haftar hatte Ermittlungen angekündigt, um die Verantwortlichen für dieses "Verbrechen" zu finden. Dabei solle auch geklärt werden, ob die Opfer zuvor von seinen Männern gefangen genommen worden seien.

    Die Versprechen von General Haftar, den "wiederholten illegalen Tötungen in seinem Herrschaftsgebiet" nachzugehen, hätten bisher zu nichts geführt, kritisierte Eric Goldstein von HRW.

    In der Region Al-Abjar in der Nähe von Benghazi "scheinen der ANL treue bewaffnete Gruppen im Schnellverfahren dutzende Menschen exekutiert zu haben". Die Menschenrechtsorganisation beruft sich auf Aussagen von Angehörigen der Opfer.

    Der selbst ernannten Nationalen Libyschen Armee (ANL) von General Haftar wird vorgeworfen, in den vergangenen Jahren immer wieder gefangen genommene Jihadisten getötet zu haben. Im August hatte der Internationale Strafgerichtshof einen Haftbefehl gegen den Kommandanten eines Spezialkommandos der ANL erlassen. Mahmoud Al-Werfalli soll 2016 und 2017 mindestens sieben Mal auf Zivilisten oder verletzte Kämpfer geschossen oder deren Hinrichtung angeordnet haben. Haftars Truppe teilte daraufhin mit, der Beschuldigte sei bereits festgenommen worden und komme vor ein Militärgericht.

    Seit dem Sturz von Libyens langjährigem Machthaber Muammar al-Gaddafi im Herbst 2011 herrscht Chaos in dem nordafrikanischen Land. Weite Teile Libyens werden von bewaffneten Milizen kontrolliert. Die Autorität der international unterstützten Regierung der nationalen Einheit wird von einer Gegenregierung infrage gestellt, die mit Hilfe von Haftars ANL im Osten von Libyen herrscht. Nach erbitterten Kämpfen haben Haftars Kämpfer die Jihadistenmilizen fast vollständig aus Benghazi, Libyens zweitgrößter Stadt, vertrieben. (APA, AFP, 29.11.2017)

    • General Haftar bei einer Konferenz in Bengazi
      foto: reuters/esam omran al-fetori

      General Haftar bei einer Konferenz in Bengazi

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