Wiener Bitcoin-Fabrik im Visier der Finanzaufsicht

22. November 2017, 11:00
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Gerüchteweise droht dem Wiener Start-up Hydrominer eine Strafanzeige: Es soll es bei der Finanzierung gegen Kapitalmarktrecht verstoßen haben

Wien – Der Höhenflug von Bitcoin & Co hat das Erschaffen dieser Kryptowährungen über Computerrechenleistung zu einem attraktiven Investment gemacht. Allerdings wird oft der enorm hohe Energieverbrauch dieses Vorgangs kritisiert. Laut der Plattform Digiconomist.com soll alleine Bitcoin derzeit bereits 0,13 Prozent des weltweiten Stromverbrauchs ausmachen, Tendenz stark steigend. Einen Lösungsansatz für dieses Problem will das Wiener Start-up Hydrominer gefunden haben: Nämlich kleine Wasserkraftwerke anmieten und daneben mit günstiger erneuerbarer Energie in einem Container Kryptowährungen schürfen.

Mitte Oktober hat Hydrominer dafür ein sogenanntes Initial Coin Offering (ICO) gestartet. International boomt diese junge Form der Unternehmensfinanzierung, allein heuer wurden laut Coindesk.com mehr als drei Milliarden US-Dollar über solche Transaktionen von Unternehmen eingenommen. Zum Vergleich: Bis Ende des Vorjahres waren es weltweit nur insgesamt 300 Millionen Dollar. Allerdings sind ICOs in Verruf geraten, weil es bereits zu Betrugsfällen gekommen ist.

Nun scheint es, als ob es auch bei der Hydrominer-Transaktion – erst das dritte ICO einer österreichischen Firma – zu Unregelmäßigkeiten gekommen sein könnte. Das Wiener Start-up hat dadurch umgerechnet 3,2 Millionen Dollar in der Kryptowährung Ethereum eingenommen. Dem Vernehmen nach soll die Finanzmarktaufsicht FMA Strafanzeige gegen Hydrominer bzw. die Personen dahinter wegen möglicher Verstöße gegen das Kapitalmarktgesetz erstatten oder es schon getan haben.

Keine Stellungnahme

Die FMA bestätigte dies weder, noch dementierte sie: "Zu laufenden Ermittlungsverfahren können wir grundsätzlich nicht Stellung nehmen", sagte Sprecher Klaus Grubelnik auf Anfrage. Bei der zuständigen Staatsanwaltschaft ist bis Dienstag Mittag keine entsprechende Anzeige eingegangen. Nadine Damblon, Geschäftsführerin von Hydrominer, sagte – auch in diesem Fall gilt die Unschuldsvermutung -, dass die FMA das ursprünglich geplante Geschäftsmodell nicht toleriert habe.

Daraufhin habe man die ursprünglich geplante Dividendenstruktur mit monatlichen Auszahlungen auf ein Gutscheinkonzept geändert. "Die Umstellung hat uns bestimmt ein paar Investoren gekostet, da das erste Modell attraktiver war. Jetzt sind wir dafür rechtlich abgesichert und das ist wichtiger", erklärt Damblon.

Noch "in Gründung"

Ebenfalls auffällig: Laut Website befindet sich die Hydrominer GmbH erst in Gründung. Angaben des Handelsgrichts Wien zufolge ist ein Antrag auf Eintragung ins Firmenbuch am 6. November eingegangen – also deutlich nach Start des ICO. Oliver Völkel von Stadler Völkel Rechtsanwälte, der das Start-up während des ICOs begleitete, sieht darin bloß eine ausständige Formalität.

"Es ist nicht unüblich, dass gewisse Verbindlichkeiten bereits vor Eintragung der Gesellschaft im Firmenbuch aufgenommen werden. Das schafft keine rechtlichen Probleme." Ein anderer Anwalt, der namentlich nicht genannt werden möchte, meint hingegen, dass es nicht gängig sei, vor der offiziellen Eintragung geschäftlich tätig zu werden. Aufgrund spezieller Haftungsregelungen hält er es aber grundsätzlich für möglich.

Ebenfalls ungewöhnlich: Unter dem derzeitigen Firmensitz gibt es keine Schilder, die auf Hydrominer hinweisen, dafür das Coworking-Café Cocoquadrat. Dort ist die Firma registriert – wie oft das Team dort anzutreffen ist, sei aber unbekannt.

Standorte der Kraftwerke

In Widersprüche hat sich Hydrominer laut Trendingtopics.com zudem gegenüber diverser Onlinemedien verstrickt, was unterschiedlich genannte Standorte der Kraftwerke betrifft. Gegenüber dem Standard bestätigt die Geschäftsführerin Waidhofen/Ybbs und Langenlois als Standorte. Aus Sicherheitsgründen und aus Konkurrenzschutz habe man anfänglich nicht die genauen Koordinaten angegeben.

Investoren kaufen sogenannte H2O-Token, die in weiterer Folge als Zahlungsmittel für die Rechnerzeit dient, die Hydrominer zum Schürfen von Kryptowährungen zur Verfügung stellt. Ein Algorithmus soll dabei stets den profitabelsten Mix an geschürften Kryptowährungen errechnen. Februar 2018 sei der juristisch spätestmögliche Zeitpunkt, um mit "der Produktion" zu beginnen, andernfalls könnten Investoren regressieren, sagt Damblon. Es handle sich um eine Absicherung.

Wenig schmeichelhaft

Einen kritischen Blick auf Hydrominer hat auch Branchenexperte Robert DeVoe auf Btcmanager.com geworfen. Er bemängelt, dass die Firma einen Kalkulator für Investments in ihre H2O-Token anbiete, der hohe Renditen – beinahe eine Vervierfachung in zwei Jahren – in Aussicht stelle. Aber nur im Kleingedruckten werde ergänzt, dass die Mining-Einkünfte nicht garantiert seien. DeVoes kommt zu dem Schluss, das Angebot "erscheint unseriös".

Unabhängig von Hydrominer hatte die FMA gemeinsam mit der europäischen Börsenaufsicht ESMA schon früher darauf hingewiesen, dass ICOs in Europa derzeit weder reguliert, noch beaufsichtigt würden. "Das ist ein bisschen wie Wilder Westen", betonte FMA-Vorstand Klaus Kumpfmüller, "diese Art der Kapitalaufnahme braucht eine Regulierung." (Alexander Hahn, Andreas Danzer, 22.11.2017)

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