Klimaschutz: Rupprechter nimmt Österreichs Rang im Index "nicht ernst"

    Video15. November 2017, 12:31
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    Österreich liegt abgeschlagen auf Rang 35 von 56 untersuchten Staaten – Kritik von Umweltschützern

    Bonn/Wien – Beim Klimaschutz ist Schweden führend, ebenso Litauen und Marokko. Das geht aus dem am Mittwoch veröffentlichten Klimaschutzindex von Germanwatch und New Climate Institute hervor. Österreich liegt abgeschlagen im unteren Mittelfeld der 56 bewerteten Staaten auf Platz 35. Umweltminister Andrä Rupprechter (ÖVP) erklärte, er nehme den Index nicht ernst, Kritik kam von NGOs.

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    Minister Andrä Rupprechter im Interview mit Armin Wolf in der "ZiB 2".

    Die ersten drei Plätze ließen die Autoren frei. Kein Land unternehme bisher genug, um den weltweiten Temperaturanstieg gegenüber der vorindustriellen Zeit deutlich unter zwei Grad zu halten. Auf Platz vier landete Schweden, gefolgt von Litauen und Marokko. Bei Schweden wurden das vergleichbar niedrige Emissionsniveau und die starke Entwicklung erneuerbarer Energien positiv erwähnt, Ähnliches gilt für Litauen. Marokko profitierte neben seinem Ausbau erneuerbarer Energien vor allem von guten Politikbewertungen seiner nationalen Klima- und Energieexperten.

    Mit noch immer vergleichsweise niedrigen Werten bei Emissionen und Primärenergienutzung (jeweils pro Kopf) liegt Indien auf Rang 14, noch vor Frankreich (15), der EU gesamt (21) und Deutschland (22). China dagegen belegte mit relativ hohem Emissionsniveau und wachsendem Primärenergieverbrauch nur Platz 41.

    grafik: apa

    Energiesysteme weniger CO2-lastig

    Nach einer Phase des starken Wachstums der weltweiten Treibhausgasemissionen zeichne sich nun ein stark verlangsamter Trend ab, urteilen die Autoren. Die Energiesysteme scheinen weltweit weniger CO2-lastig zu werden. Der Index zeige weltweit positive Entwicklungen bei erneuerbaren Energien und Energieeffizienz und in manchen Ländern auch bei den Emissionen. Allerdings werde klar sichtbar, "dass die Ziele der Länder und die Umsetzung derselben insgesamt noch zu schwach sind, um den Temperaturanstieg auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen".

    "Wegen ihrer Ankündigung, aus dem Pariser Klimaabkommen auszutreten, und der Abkehr von einigen zentralen Klimagesetzgebungen der Vorgängerregierung landeten die USA unter den am schlechtesten abschneidenden Ländern im Index (56.)", schrieben die Autoren. Die letzten drei Plätze gingen an Südkorea, den Iran und Saudi-Arabien, die alle keine Fortschritte bei der Reduktion von Treibhausgasemissionen und ihrem Primärenergieverbrauch verzeichnen können, so Germanwatch und New Climate Institute.

    Österreichs Performance "low"

    Österreichs Performance stuften die Autoren als "low" (niedrig) ein. Laut Global 2000 waren die Gründe dafür die anhaltend hohen Emissionen ohne Aussicht auf Rückgang. Der Anteil erneuerbarer Energien wurde allerdings positiv erwähnt.

    "Ich nehme diesen Klimaindex einfach nicht ernst", sagte Umweltminister Rupprechter in einer Stellungnahme bei der Bonner Klimaschutzkonferenz. Mit Frankreich liege ein Land weit vorne, "in dem 50 Prozent des Stroms per AKW erzeugt werden". In Deutschland wiederum (Platz 22) werde bei den Regierungssondierungen gerade diskutiert, "die Verstromung durch Kohle bis 2045 zu verlängern". Rupprechters Urteil: "Der Index beurteilt sich so selbst."

    Forderung an künftige Bundesregierung

    Greenpeace fordert hingegen von der künftigen Regierung, dem Klimaschutz "höchste Priorität" einzuräumen. "Seit Jahren erleben wir in Österreich einen klimapolitischen Stillstand", kritisiert Adam Pawloff, Klima- und Energiesprecher von Greenpeace in Österreich. Die neue Regierung solle nun konkrete Maßnahmen verankern: Ein neues Ökostromgesetz mit ausreichenden Mitteln für den Ausbau von Sonnenenergie, Wind- und Wasserkraft, die Erhöhung der Mittel für thermische Sanierung auf 300 Millionen Euro pro Jahr sowie ein massiver Ausbau öffentlicher Verkehrsmittel sind für Greenpeace Beispiele.

    Johannes Wahlmüller, Klima- und Energiesprecher von Global 2000, kritisiert ebenfalls die Regierung: "Das schlechte Abschneiden im internationalen Vergleich zeigt, dass Österreich Klimapolitik nicht ernsthaft angeht. Zwei Jahre nach Abschluss des Pariser Klimaschutzabkommens gibt es noch immer keinen Plan, wie der Ausstieg aus fossiler Energie gelingen soll." Wahlmüller fordert ein Maßnahmenpaket für saubere Mobilität, die Umrüstung der mehr als 600.000 Ölheizungen, "und es braucht eine neue Offensive für Gebäudesanierung".

    WWF: "Neue Bundesregierung gefordert"

    Kritik kommt auch vom World Wide Fund for Nature. "Österreich hat seine Klimaschutzpolitik über Jahre sträflich vernachlässigt und landet daher nur auf Platz 35, also im schlechten Mittelfeld. Umso mehr ist jetzt die neue Bundesregierung gefordert, ein ambitioniertes Programm mit einer verbindlichen Energie- und Klimaschutzstrategie vorzulegen", sagt Karl Schellmann, Klima- und Energiesprecher des WWF. "Wir müssen erneuerbare Energien naturverträglich ausbauen und Energie insgesamt sparsamer einsetzen. Zudem muss das gesamte Steuer- und Abgabensystem auf Klimaschutz getrimmt werden." (red, APA, 15.11.2017)

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