Krankenkassen erwarten elf Millionen Euro Defizit

    15. November 2017, 10:56
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    Das für heuer angenommene Defizit liegt unter den bisherigen Prognosen, die Erwartungen für die nächsten Jahre zeigen aber tiefrote Zahlen

    Wien – Die Krankenkassen haben ihre Prognose für heuer etwas verbessert: War man im August noch von einem Defizit von 37 Millionen Euro ausgegangen, so rechnet man jetzt nur noch mit einem Minus von elf Millionen. Düster sehen allerdings die Prognosen für die nächsten beiden Jahre aus. Für 2018 rechnet der Hauptverband der Sozialversicherungsträger mit 120 Mio. und für 2019 mit 250 Millionen Euro Defizit.

    Der Vorstandsvorsitzende im Hauptverband, Alexander Biach, verwies allerdings darauf, dass sich auch diese Zahlen gegenüber der August-Prognose schon verbessert haben. Damals war man noch von 146 Mio. für 2018 und 277 Mio. Euro für 2019 ausgegangen. Außerdem plant die neue Regierung verschiedene Maßnahmen im Bereich der Sozialversicherungen – eine neue Ambulanzgebühr wurde zwar dementiert, Konsens besteht aber über eine Zusammenlegung von Trägern.

    Modernisierung durch sparsame Verwaltung

    Dass sich die Vorhersagen gegenüber August verbessert haben, führt Biach auf gemeinsame, intensive Anstrengungen der Krankenversicherungsträger zurück. "Trotz zusätzlicher Aufwendungen im Bereich der Leistungsharmonisierung ist diese Verbesserung gelungen. Daher arbeiten wir intensiv an weitreichenden Modernisierungen und Aufgabenbündelungen im Back-Office- und IT-Bereich, um diese Kostenersparnisse fortzuführen", fasst Biach die Effizienzsteigerungsaktivitäten zusammen. Ziel sei es, durch gemeinsame Einkaufsaktivitäten von Ländern und Sozialversicherung noch weitere Einsparungen zu erzielen: "Wir, Länder und Sozialversicherungen, folgen dabei einer einnahmenorientierten Ausgabenpolitik und halten uns an den festgelegten Kostendämpfungspfad", erklärte Biach in einer Aussendung.

    Medikamente nicht mehr wichtigster Kostentreiber

    Bei einem Blick auf die Detailzahlen fällt auf, dass die Ausgaben für Ärzte und Spitäler nun stärker wachsen als der frühere Kostentreiber Medikamente. So wird für die "Anstaltspflege" für heuer eine Kostensteigerung um 4,9 Prozent erwartet. Dies wird im Hauptverband vor allem mit den mit der besseren Konjunktur nun auch gestiegenen Beitragseinnahmen begründet, die automatisch auch einen höheren Beitrag der Sozialversicherungen für die Landesspitäler nach sich ziehen. Und die Ausgaben für die "Ärztliche Hilfe" sollen heuer um 4,7 Prozent wachsen. Dies liegt nicht nur an höheren Arzthonoraren, sondern vor allem auch an verbesserten Leistungen für die Versicherten. Im Oktober ist eine Harmonisierung von Leistungen in elf von 23 Bereichen in Kraft getreten, mit 1. Jänner folgen sechs weitere Bereiche. Für die Medikamente wird heuer eine Kostensteigerung um 4,2 Prozent erwartet.

    Kritik von den Neos

    Wenig beeindruckt reagiert Neos-Gesundheitssprecher Gerald Loacker: "Die Vorgangsweise, zunächst Horrorszenarien zu prognostizieren und diese während des Jahres dann zu korrigieren, kennen wir vom Hauptverband schon lange." So werden die prognostizierten Defizite während eines Jahres kleiner, eingespart werde weiterhin nicht dort, wo es nötig wäre. "Das wirkliche Problem ist, dass die Kassen eigene Sparpotenziale nicht nutzen, von den Zusatzpensionen über die EDV bis hin zu Schwächen in Compliance und Controlling. Die Kassen ignorieren damit aktiv die Berichte des Rechnungshofs." Loacker weist auch darauf hin, dass sich wieder zeigt, dass Medikamentenkosten einen vergleichsweise bescheidenen Anteil an den Gesamtkosten ausmachen.

    Von den neun Gebietskrankenkassen rechnen jene in Niederösterreich, dem Burgenland, der Steiermark, Kärnten und Tirol für heuer mit einem ausgeglichenen Ergebnis. Ein Minus erwarten die Wiener (-16 Mio.), die Oberösterreicher (-13,9 Mio.), die Vorarlberger (-3,3 Mio.) und die Salzburger (-0,7 Mio.). Auch die Versicherungsanstalten für Eisenbahn und Bergbau (-7,9 Mio.) und jene für öffentlich Bedienstete (-13,9 Mio.) prognostizieren ein Defizit. Von einem Plus gehen hingegen die Sozialversicherungen der gewerblichen Wirtschaft (+21,4 Mio.) und der Bauern (+20,4 Mio.) aus. (red, APA, 15.11.2017)

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