Blaues Wunder

    Userkommentar15. November 2017, 10:36
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    Ein offener Brief an den Außenminister und ÖVP-Chef

    Lieber Sebastian Kurz! Sie wundern und ärgern sich über die Teilnahme zweier FPÖ-Funktionäre an einer russischen Propagandaveranstaltung auf der Halbinsel Krim? Kommt das nicht einer Anerkennung der unrechtmäßigen Annexion dieses Gebiets durch Russland gleich? Ja, natürlich! Aber was haben Sie denn anderes erwartet? Dass sich die FPÖ Ihretwegen grundlegend ändert? Die Sympathie für autoritäres Regieren und Machtpolitik nach dem Muster Wladimir Putins haben ihre Funktionäre doch schon oft genug zum Ausdruck gebracht. Man lege seine Gesinnung nicht einfach ab wie ein Kleidungsstück, hat der FPÖ-Politiker Martin Graf festgestellt, als er seinerzeit Dritter Präsident des Nationalrats wurde. Und er ist Mitglied der rechtsextremen Burschenschaft Olympia geblieben. Jetzt ist er übrigens wieder in den Nationalrat, das Herzstück unserer Demokratie, eingezogen.

    Lieber Sebastian Kurz, lesen Sie bitte das Buch "Stille Machtergreifung" von Hans-Henning Scharsach, das wichtigste österreichische Buch des Jahres, bevor Sie Ihre Koalition mit der FPÖ fixieren. Über den Krim-Reisenden und Russland-Freund Detlef Wimmer heißt es hier zum Beispiel: "In deutschen und österreichischen Internet-Foren wird Wimmer von Neonazis als 'Zukunftshoffnung' gefeiert und gegen den Vorwurf in Schutz genommen, kein Nationalsozialist zu sein." Auch Wimmer wird in Zukunft bei seiner "Gesinnung" bleiben. Ihr internationales Ansehen wird sehr darunter leiden, wenn Sie mit Politikern dieses Schlages, und davon gibt es in der FPÖ viele, eine Koalition eingehen. Und Sie wollen doch nicht schon mit 31 Jahren Ihren Ruf ruinieren! Außerdem wünschen Sie sich doch sicher nicht, noch öfter solche blauen Wunder zu erleben wie gerade eben. (Alois Floimayr, 15.11.2017)

    • Schwarz-blaue Koalitionsverhandler: Sebastian Kurz und Heinz-Christian Strache
      foto: standard/cremer

      Schwarz-blaue Koalitionsverhandler: Sebastian Kurz und Heinz-Christian Strache

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