Sammelaktion: Wenn der Magistrat zum "Radldieb" wird

    Blog14. November 2017, 07:00
    114 Postings

    Herrenlose Fahrräder können auf öffentlichen Flächen zum Hindernis werden. Gerade zu Winterbeginn entfernt sie der Magistrat daher. Hinter einem vermeintlichen Diebstahl könnte also das Amt stecken

    Innsbruck/Wien – Da staunte der junge Vater nicht schlecht, als er vergangenen Freitagmorgen vor die Haustür trat und zwei Herren in oranger Uniform des Magistrats dabei ertappte, wie sie das Fahrrad seines Sohnes auf die Ladefläche ihres Kleinlasters hievten. Das Schloss hatten sie mittels Bolzenschneider geknackt. Umgehend protestierte der Vater und holte sich das Rad des Filius zurück. Das Erlebnis postete er auf Facebook. Hintergrund des Vorfalls ist die Sammelaktion des Innsbrucker Amts für Straßenbetrieb.

    Seit 30. Oktober sammeln die Mitarbeiter des Magistrats herrenlose und nicht mehr gebrauchstüchtige Fahrräder ein, die im öffentlich Raum abgestellt wurden. Man tut dies, um dem Winterdienst hindernisfreies Räumen der Geh- und Fahrwege zu ermöglichen. Bis zu 400 Räder werden bei dieser Sammelaktion jährlich aufgelesen. Fälle wie der eingangs geschilderte sind aber die Ausnahme, wie der Magistrat erklärt: "Wir sammeln in der Regel kaputte Räder ein, die offensichtlich nicht mehr benutzt werden." Brauchbare Radln würden nicht entfernt.

    Man kann sein Rad zurückbekommen

    Wer sich dennoch wundert, wo sein – vielleicht etwas abgeranzter – Drahtesel abgeblieben ist, sollte sich an das Amt wenden. Es genügt, glaubhaft zu versichern, dass man Besitzer des Rades ist, um es zurückzuerhalten. Dazu reicht auch schon ein Foto, auf dem man mitsamt Fahrrad abgelichtet ist. Nicht mehr abgeholte Räder gehen großteils an Sozialprojekte oder in den Sperrmüll. In Innsbruck dauert die Sammelaktion noch einige Wochen: "Das kommt ganz darauf an, wie viele wir finden."

    In Wien besteht wiederum ganzjährig die Gefahr, dass der Magistrat das Radl "fladert". Und zwar dann, wenn es offenbar desolat und im öffentlichen Raum abgestellt ist. Wobei die zuständige MA 48 den Besitzern eine vierwöchige Schonfrist gewährt: "Wir markieren die zum Abtransport vorgesehenen Räder mit einer Schleife. Darauf steht, dass die Besitzer noch vier Wochen Zeit haben, das Rad selbst zu entfernen, bevor wir es tun."

    Im Vorjahr wurden in Wien derart 1.249 desolate Fahrräder eingesammelt. Diese werden in der Folge zwei Monate zur Wiederausfolgung in der Verwahrstelle der MA 48 aufbewahrt und danach – je nach Zustand – einer Verwertung oder Wiederverwertung zugeführt. (Steffen Arora, 14.11.2017)

    • Wer sein Radl langfristig im öffentlichen Raum parkt, läuft Gefahr, dessen verlustig zu gehen.
      foto: dpa / tim brakemeier

      Wer sein Radl langfristig im öffentlichen Raum parkt, läuft Gefahr, dessen verlustig zu gehen.

    Share if you care.