Donald Trump: Eine Weltmacht dankt ab

Kolumne13. November 2017, 16:34
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Die TV-Bilder und Berichte vom Treffen der 21 asiatisch-pazifischen Staaten bestätigen den unfassbaren Rollenwechsel in der Weltpolitik

Präsident Donald Trump reist zwölf Tage durch Asien und bestätigt mit jedem Auftritt die Abdankung der USA als weltweite Schutz-und Ordnungsmacht der liberalen Demokratie. Wir leben in einer verkehrten Welt, deren surreale Züge in diesen Tagen immer wieder zutage treten. Die TV-Bilder und Berichte vom Treffen der 21 asiatisch-pazifischen Staaten im vietnamesischen Da Nang bestätigen den geradezu unfassbaren Rollenwechsel in der Weltpolitik, der durch die widersprüchlichen Handlungen und wirren Erklärungen des irrlichternden US-Präsidenten illustriert wird.

Vor dem Hintergrund des rasanten Aufstiegs Chinas zu einer wirtschaftlichen, technologischen und militärischen Supermacht hat Trump in Da Nang mit seiner "America first"-Absage an Öffnung, Freihandel und Multilateralismus die Furcht der Asiaten vor dem Trump-Kurs des Isolationismus und Protektionismus bestätigt. Er malte eine Zukunft des uneingeschränkten nationalen Egoismus an die Wand. Dagegen glänzte der chinesische Partei- und Staatschef Xi Jinping unerwartet in der Rolle des Verteidigers der Globalisierung, des multilateralen Freihandels und der Armutsbekämpfung. Mit seinem Auszug aus der Transpazifischen Partnerschaft hatte Trump schon kurz nach seinem Amtsantritt die elf übrig gebliebenen Länder schockiert. Nun stößt er mit seinen verwirrenden Erklärungen über China alte Verbündete vor den Kopf.

Noch vor knapp einem Jahr galt für Trump China als Erzfeind, der die USA "töte" und "zerreiße". In Peking lobte er seinen Gastgeber mit überschwänglichen Worten als "einen ganz besonderen Mann", seine Gefühle für Xi seien "unglaublich warm", und sie beide würden "gewaltige Dinge für China und für die Vereinigten Staaten" leisten. Kein kritisches Wort zu Menschenrechten oder Handelsproblemen. Trump stand nicht für Demokratie und Meinungsfreiheit ein, sondern nahm sogar zur Kenntnis, dass die chinesische Seite bei seinem Besuch keine Fragen der Presse zuließ. Die feierliche Unterzeichnung von Wirtschaftsverträgen im Wert von 250 Milliarden Dollar kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der größte Teil nur aus Absichtserklärungen besteht.

Es geht jedoch nicht nur darum, dass Trump sich in Peking von der Charmeoffensive der Chinesen betören ließ. Bereits im Oktober hatte er Xi auf Twitter zu dessen "großartigem politischem Sieg" auf dem kommunistischen Parteikongress gratuliert, wo er für fünf weitere Jahre als der mächtigste Parteichef seit Mao bestätigt wurde. Im gleichen Stil lobte dann der unberechenbarste und möglicherweise deshalb gefährlichste Präsident in der amerikanischen Geschichte den Saudi-Kronprinzen Mohammed bin Salman für seine großangelegte Säuberung der königlichen Familie und der Regierung.

Dass Trump die starken Männer bewundert und sich nach einer ähnlichen Machtfülle sehnt, zeigt auch seine wiederholt bekundete Bewunderung für den russischen Präsidenten Wladimir Putin. Das amerikanische System blockiert den Weg zur totalen Machtausübung. Jene Lücke aber, die Trump weltweit öffnet, werden die zwei Diktaturen füllen, China in Asien und Russland in Europa. (Paul Lendvai, 13.11.2017)

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