Goldenes Brett: Heute Abend ist Bescherung

14. November 2017, 07:00
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Verleihung um 20.15 in der Wiener Urania: Ein prominenter Impfgegner, ein Arzt mit Hang zur Esoterik und der "König von Deutschland" rittern um den Schmähpreis

Wien – Am 23. November vergibt die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) zum siebten Mal "Das Goldene Brett vorm Kopf". Die Bekanntgabe im Rahmen einer öffentlichen Verleihungsfeier findet am Donnerstag um 20.15 Uhr in der Wiener Urania (Uraniastraße 1) statt. Eine Parallelveranstaltung wird im Hamburger Schanzenkino73 abgehalten

Die Vorauswahl wurde vor einer Woche getroffen: Aus Hunderten Vorschlägen wurden die drei aussichtsreichsten Kandidaten für den größten pseudowissenschaftlichen Unfug des Jahres ausgewählt. In die Endauswahl schafften es diesmal zwei prominente Ärzte – einer davon Impfgegner, der andere Esoteriker mit Vorliebe für Schutzengel, sowie ein "Reichsbürger".

Gefährliche Galionsfigur

Mit dem britischen Arzt Andrew Wakefield steht ein Impfgegner im Finale, der es auch im deutschen Sprachraum zu Bekanntheit gebracht hat. 1998 erregte er mit einer Publikation im Fachmagazin "The Lancet" Aufsehen, in der er einen Zusammenhang zwischen der Impfung mit dem MMR-Kombinationsimpfstoff gegen Mumps, Masern und Röteln und Autismus behauptete. Später wurde bekannt, dass Wakefield von Anwälten, die Eltern autistischer Kinder vertraten, bezahlt worden war.

"The Lancet" zog die Studie zurück, ein Berufsverbot gegen Wakefield wurde ausgesprochen. Doch er ist bis heute ein aktiver Held der Impfgegnerszene geblieben – selbst zu US-Präsident Donald Trump hatte er Kontakt, um seine impfkritische Haltung zu propagieren. Im vergangenen Jahr wurde er insbesondere durch seinen Impfgegnerfilm "Vaxxed" bekannt. "Durch Personen wie Wakefield wird das Impfen – eine der erfolgreichsten Errungenschaften der Medizingeschichte – als etwas Gefährliches und Bekämpfenswertes dargestellt, mit potenziell lebensgefährlichen Folgen", begründete die GWUP-Jury ihre Vorauswahl.

Esoterischer Gynäkologe

Der zweite Arzt im Rennen um das "Goldene Brett" ist der österreichische Gynäkologe Johannes Huber. In den Medien gerne als "Hormonpapst" bezeichnet, sorgt Huber regelmäßig mit antiwissenschaftlichen Behauptungen für Aufsehen. Sein Buch "Es existiert" wurde zum Bestseller, nun legte er mit "Der holistische Mensch" nach. Darin präsentiert er eine Vielzahl esoterischer Ideen – von Schutzengeln über magische Auren bis hin zu übersinnlicher Informationsübertragung und die Bedeutung früherer Leben für unser zukünftiges Schicksal.

Gerade weil man Huber medizinische Fachkompetenz nicht absprechen könne und er unter vielen Menschen hohes Ansehen genieße, seien seine oft wirren Argumentationsketten so bedenklich, hieß es seitens der Jury: "Wenn ein scheinbar vertrauenswürdiger Wissenschafter den Glauben an Übersinnliches öffentlich als 'methodisch richtig' bezeichnet, dann wird der Geist des rationalen Denkens und der Aufklärung rascher beschädigt, als ihn viele andere Wissenschafter, die sich für Wissenschaftskommunikation engagieren, in mühevoller Arbeit aufbauen können."

Notorischer "Reichsbürger"

Vervollständigt wird die Shortlist mit Peter Fitzek, einem deutschen Esoterikautor und Proponenten der sogenannten "Reichsbürgerbewegung", die die Existenz der Bundesrepublik leugnet. Auch in Österreich hat sich inzwischen eine derartige Gruppe gebildet. Die Reichsbürger behaupten, Deutschland sei kein legitimer souveräner Staat, daher müsse man sich auch nicht an seine Regeln und Gesetze halten. Häufig wird Deutschland als "Firma" oder "GmbH" bezeichnet, deren Forderungen keine legale Bedeutung haben.

Fitzek rief das "Königreich Deutschland" aus und ließ sich selbst zum "König von Deutschland". Er gründete eine "Königliche Reichsbank", in die seine Anhänger Geld einzahlten, und erfand sogar eine eigene Währung – das sogenannte "Engelgeld". Als Fitzek beim übertreten einer Geschwindigkeitsbegrenzung erwischt wurde, zeigte er einen selbst ausgestellten "Führerschein des Königreichs Deutschland" vor. Wegen Veruntreuung der in die Bank eingelegten Gelder und unerlaubter Bankgeschäfte wurde Fitzek schließlich zu einer Haftstrafe verurteilt.

Wer sich über den diesjährigen Preis für das Lebenswerk freuen darf, steht schon jetzt fest: Er geht an die Homöopathin Cornelia Bajic, stellvertretend für den Deutschen Zentralverein homöopathischer Ärzte e.V. (red, 14.11.2017)

  • Wer darf sich diesmal über die Trophäe freuen? Am 23. 11. wird sie vergeben.
    foto: gwup

    Wer darf sich diesmal über die Trophäe freuen? Am 23. 11. wird sie vergeben.

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