Anstieg des weltweiten Kohlendioxid-Ausstoßes um zwei Prozent erwartet

    13. November 2017, 12:59
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    Die weltweiten CO2-Emissionen werden 2017 vor allem aufgrund der stärkeren Nutzung von Kohle als Brennstoff in China wachsen

    Norwich – Nach drei Jahren Stillstand auf hohem Niveau steigt der weltweite Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) im Jahr 2017 voraussichtlich wieder. Insbesondere China trage zum Anstieg der Emissionen bei, berichteten Experten in der Studie "Globales Kohlenstoffbudget". In Europa und den USA seien die Emissionen zwar zurückgegangen, für einen Ausgleich allerdings nach Ansicht der Forscher viel zu langsam.

    Den Wissenschaftern zufolge werden bis Jahresende insgesamt 41 Gigatonnen Kohlendioxid, also 41 Milliarden Tonnen, in die Atmosphäre gelangt sein. Das entspreche einem Anstieg von etwa zwei Prozent. Der Großteil der CO2-Emissionen – etwa 37 Gigatonnen – entfällt auf die Nutzung fossiler Brennstoffe. Die Forscher präsentierten ihre Daten unter anderem im Journal "Environmental Research Letters".

    China als Hauptverschmutzer

    Vor allem China trage zum Anstieg der Emissionen bei, heißt es darin. Wegen der stärkeren Nutzung von Kohle als Brennstoff würden sie 2017 voraussichtlich im Vergleich zum Vorjahr um 3,5 Prozent auf insgesamt 10,5 Gigatonnen steigen. In Indien sei der Anstieg mit zwei Prozent geringer, was vermutlich auf eine gegenwärtige wirtschaftliche Schwäche in dem Land zurückzuführen sei. Wenn sich die Wirtschaft schnell erhole, dürften die CO2-Emissionen im Jahr 2018 auch dort rasch wieder ansteigen.

    In Europa und den USA sind die Emissionen zwar zurückgegangen, mit einer Abnahme von geschätzt 0,2 und 0,4 Prozent allerdings viel zu langsam, um dem Anstieg in anderen Regionen der Welt etwas entgegenzusetzen, schrieben die Forscher.

    Auswirkung von Hurrikans

    Corinne Le Quere vom Tyndall Centre for Climate Change Research in Norwich (Großbritannien), unter deren Leitung der Bericht zusammengestellt wurde, sprach von sehr enttäuschenden Ergebnissen. "Dieses Jahr haben wir gesehen, wie der Klimawandel die Auswirkung von Hurrikans verstärken kann, wenn stärkere Regenfälle, höhere Meeresspiegel und wärmere Ozeane die Entstehung stärkerer Stürme begünstigen. Das ist ein Fenster in die Zukunft." Die Zeit laufe davon, um das Ziel von einer Klimaerwärmung von unter zwei Grad Celsius noch zu erreichen, von 1,5 Grad ganz zu schweigen.

    Im Zeitraum von 2014 bis 2016 waren die Emissionen weitgehend stabil geblieben – und das trotz eines weltweiten Wirtschaftswachstums. Vor allem die verringerte Kohlenutzung, eine verbesserte Energieeffizienz sowie ein Boom bei den erneuerbaren Energien wie Windkraft und Solarenergie hätten maßgeblich dazu beigetragen. Als besonders erfreulich galt Experten vor allem die Entkopplung vom Wachstum des Bruttoinlandprodukts und den Emissionen. Das zeige, dass Wirtschaftswachstum nicht zwangsläufig zu einer Zunahme des Kohlendioxidausstoßes führen muss. Einige Experten hatten gehofft, dass der Höchststand der Emissionen vielleicht schon erreicht sei.

    Sinkende Emissionen in manchen Nationen

    Ein Lichtblick: Dem Bericht zufolge sind in der vergangenen Dekade in gut 20 Ländern bei anhaltendem Wirtschaftswachstum die Emissionen gesunken, darunter in Deutschland, den USA, Dänemark, Frankreich, Polen, Rumänien und Serbien. Zusammen sind diese Länder nur für rund 20 Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich.

    Und auch für 2018 rechnen die Experten insgesamt mit einem Anstieg der Emissionen. "Verschiedene Faktoren deuten auf einen fortschreitenden Anstieg 2018", sagte Robert Jackson von der Stanford University. "Das ist ein echter Anlass zur Sorge." Dabei nennen die Fachleute vor allem die Vorhersagen der Weltbank zum Wirtschaftswachstum: Die Finanzexperten sagen global einen Anstieg von 2,9 Prozent für 2018 vorher – den höchsten Wert seit 2011. Die Schätzungen des Internationalen Währungsfonds liegen sogar noch höher.

    Daten unsicher

    Die Daten der Studien seien jedoch mit einiger Unsicherheit behaftet, schrieben die Fachleute weiter. "Die Nachricht vom Anstieg der Emissionen 2017 sind unwillkommen. Aber es ist noch zu früh zu sagen, ob das ein einmaliger Ausrutscher auf dem Weg hin zum Erreichen eines globalen Höchststandes war oder der Anfang einer neuen Phase", sagte Glen Peters vom Cicero Center for International Climate Research.

    Der Report "Globales Kohlenstoff Budget" wurde von 76 Wissenschaftern von 57 Forschungsinstituten in 15 Ländern zusammengestellt. In diesem Jahr erscheint der Bericht zum zwölften Mal und wird vom Global Carbon Project herausgegeben.

    Höhere Treibhausgas-Konzentration

    Erst vor knapp zwei Wochen hatten Forscher berichtet, dass die Treibhausgas-Konzentration in der Atmosphäre noch nie so schnell gestiegen ist wie im vergangenen Jahr. Das habe neben den Aktivitäten der Menschen vor allem auch am Wetterphänomen El Nino mit seinen erhöhten Ozeantemperaturen und Dürren in den Tropen gelegen, hatte die Weltwetterorganisation (WMO) in Genf mitgeteilt.

    Dadurch konnten Ozeane und zum Beispiel Wälder nicht so viel klimaschädliches Kohlendioxid aufnehmen wie in anderen Jahren. Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre betrug nach Angaben der WMO 403,3 Teilchen pro Million Teilchen (ppm), verglichen mit 400 ppm im Jahr davor. Und vor einer Woche teilte die Organisation mit, dass 2017 "sehr wahrscheinlich" zu den drei heißesten bisher gemessenen Jahren gehören wird. (APA, 13.11.2017)

    • Die Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre ist nach Angaben der UN-Meteorologiebehörde so hoch wie noch nie. Braunkohlekraftwerke (im Bild Schkopau in Sachsen-Anhalt in Deutschland) gelten als besonders klimaschädlich.
      foto: apa/eckehard schulz

      Die Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre ist nach Angaben der UN-Meteorologiebehörde so hoch wie noch nie. Braunkohlekraftwerke (im Bild Schkopau in Sachsen-Anhalt in Deutschland) gelten als besonders klimaschädlich.

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