SVA sorgt mit Beratervertrag für Kritik

11. November 2017, 10:00
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Die Sozialversicherungsanstalt für Selbstständige will die Konkurrenz überholen. Ein Auftrag an Accenture, wo der SVA-Chef einst arbeitete, bringt Erklärungsbedarf

Wien – Die Sozialversicherungsanstalt der Gewerblichen Wirtschaft (SVA) hat sich 2015 viel vorgenommen. Die SVA will bis 2020 die "führende Selbstständigen-Versicherung Europas" werden, wie es in diversen Vorstandsbeschlüssen heißt – die Eckpfeiler dafür sind in der Strategie "SVA 2020" festgeschrieben.

Erreicht werden soll dieses Ziel in der laufenden Funktionsperiode (2016 bis 2020), erste wegweisende Beschlüsse wurden aber schon in einer Vorstandssitzung am 7. Oktober 2015 gefasst. Damals erstattete SVA-Obmann Christoph Leitl Bericht, "interne und externe Analysen" hätten "vor allem im IT-Bereich Investitionsbedarf" ergeben, sagte er damals. Konkret: Die erforderlichen Investitionen beliefen sich "auf etwa zehn bis 15 Millionen Euro per anno, verteilt über fünf Jahre".

Auf Nachfrage eines Vorstandsmitglieds meldete sich laut Sitzungsprotokoll der damals noch neue Vizegeneraldirektor der SVA, Hans Aubauer zu Wort. Im IT-Bereich bestehe "akuter Handlungsbedarf, um die Betriebsfähigkeit der SVA sicherstellen zu können". Zudem schätze man die Effizienzsteigerung aus der IT-Aufrüstung für den Versicherer auf 15 bis 25 Prozent, auch den Kunden winke Nutzen, letztlich auch bei ihren Beiträgen.

Von Accenture zur SVA

Hans Aubauer war 2014 zur SVA geholt worden, zuvor war er beim Beratungsunternehmen Accenture als Geschäftsführer tätig gewesen. Seit 2016 ist er Generaldirektor der SVA.

Der Vorstand beschloss an diesem 7. Oktober 2015 dann sowohl die neue Strategie als auch das vom Vorstand beantragte Investitionsvolumen.

Noch im gleichen Jahr wurde dann auch der beschlossene IT-Auftrag vergeben – ans Beratungs- und IT-Services-Unternehmen Accenture. Ausschreibung dafür gab es keine. Warum nicht? SVA-Sprecher Christian Kienberger: Man habe die Accenture-Leistungen über einen Rahmenvertrag mit der Bundesbeschaffungsgesellschaft (BBG) beauftragt, und dem sei eine europaweite Ausschreibung zugrunde gelegen. Alles habe also seine Ordnung. Auch, dass der Name von Auftragnehmer Accenture in den Vorstandsprotokollen nicht vorkommt, sei unverdächtig, seien doch "alle Vorstandsmitglieder laufend informiert, jeder weiß genau, dass der Vertrag mit Accenture abgeschlossen wurde".

Mitte 2016 gab es dann bereits erste Modernisierungen. Die SVA-Belegschaft arbeitete fortan mit der Büro-Software Office 2016 statt mit Office 2003, man habe "den Sprung vom Office-Schlusslicht an die Spitze" getan, freute sich Obmann Leitl in einer Vorstandssitzung am 15. Dezember 2016. Auch in dieser Sitzung (und in jener im Juni 2017) kam Auftragnehmer Accenture nicht vor, die Rede ist laut Vorstandsprotokollen von einem "externen Dienstleister".

Ein Bewerber für IT-Auftrag

Heuer wurde dann eine Aufstockung des Auftrags fürs Programm SVA 2020 nötig. Der Versicherer braucht mehr externes Personal, zum Beispiel für Wartung, Weiterentwicklung und Support der eingesetzten Software, wie es in der Vorstandssitzung im Juni besprochen wurde. Der SVA-Vorstand ließ sich dafür einen "jährlichen Rahmen" genehmigen. Das Auftragsvolumen (Juni 2017 bis Juni 2018) liegt bei exakt 2,93 Mio. Euro.

Innerhalb der SVA stößt diese Form Kooperation da und dort auf Kritik, SVA-Funktionäre fühlen sich schlecht informiert. Dabei hat die SVA den weiterführenden IT-Auftrag heuer ausgeschrieben. Den Zuschlag bekam der einzige Bewerber: Accenture. Laut SVA-Sprecher und einem Sprecher von Accenture war die direkte Ausschreibung diesmal deswegen nötig, weil der BBG-Rahmenvertrag bereits ausgeschöpft war.

Dass SVA-Generaldirektor Aubauer bis 2014 selbst beim SVA-Auftragnehmer Accenture führend tätig war, das muss übrigens niemanden wundern. Man habe Aubauer als ausgewiesenen Spezialisten für Transformationsprojekte im Gesundheitsbereich geholt, heißt es in der SVA. "Unsere Kriterien sind nicht, wer wo gearbeitet hat, sondern wer was am besten kann", beschreibt das ein SVA-Mitarbeiter.

Lange Kooperation

Und auch bei Accenture kann man keinerlei schiefe Optik erkennen. Das Consulting-Unternehmen arbeite in Österreich bereits seit rund 15 Jahren mit dem öffentlichen Sektor zusammen, besonders im Rahmen großer Transformationsvorhaben. Für die SVA erfülle man bereits seit einem Jahrzehnt Aufträge, erklärt ein Sprecher des Unternehmens auf Anfrage des STANDARD. (Renate Graber, 11.11.2017)

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