Preisgekrönt: Neues Berufsbild für blinde Frauen

    10. November 2017, 12:06
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    Discovering Hands etabliert gerade mit der Medizinischen Tastuntersucherin in der Brustkrebsvorsorge ein neues Berufsbild für hochgradig sehbehinderte Frauen – und wurde dafür prämiert

    Rund 12.000 Frauen im erwerbsfähigen Alter in Österreich sind hochgradig sehbehindert. Und damit auch am Arbeitsmarkt diskriminiert. Gleichzeitig ist Brustkrebs mit über 5000 Neuerkrankungen jährlich und einem noch immer anhaftenden Tabu in der Präventionsuntersuchung die häufigste Krebsform von Frauen in Österreich.

    Marisa Mühlböck und Anna Herzog haben ihr Social Business genau an der Schnittstelle dieser beiden Problematiken aufgestellt: Discovering Hands bildet blinde und hochgradig sehbehinderte Frauen zu Medizinischen Tastuntersucherinnen (MTUs) aus und setzt sie zur Brustkrebsfrüherkennung ein.

    Vorbild Deutschland

    Das Modell ist in Deutschland bereits etabliert, zwölf öffentliche Kassen tragen die Kosten, 40 teilnehmende Kliniken und Praxen bieten diese Vorsorge an, und eine Menge Unternehmen hat dies in ihre betriebliche Gesundheitsvorsorge integriert. Via Franchise-Unternehmen Taktile Gesundheitsvorsorge GmbH sind die beiden Frauen nun in Österreich unterwegs, das Startkapital kam überwiegend von Business-Angel Michael Altrichter (Austrian Angel Investor Association).

    Für die Finanzierung der nächsten Auf- und Ausbauschritte – dazu gehört unter anderem die Anerkennung eines eigenen Berufsbildes MTU in Österreich – haben die beiden Frauen und ihr Team jetzt 88.000 Euro Venture-Capital zur Verfügung: Sie haben den Get Active Social Business Award gewonnen. Geldgeber Coca-Cola erwartet "soziale Rendite" und versteht das Kapital als Anschubfinanzierung gegen Armut und für Inklusion in Österreich. Und man erhofft sich Vorbildwirkung, damit Menschen mit guten Ideen für gesellschaftliche Innovation sich auch trauen, in eine Umsetzung zu starten.

    Fortlaufend Begleitung

    Der Projektpartner NPO-Kompetenzzentrum der Wiener Wirtschaftsuni fungiert dabei als Know-how-Knotenpunkt, die Siegerprojekte werden auch über die Jahre begleitet. Heuer wurde der Preis bereits zum elften Mal vergeben. der STANDARD ist als Medienpartner engagiert. Das Besondere an diesem Preis – nebst Höhe der Dotierung: Schon die von einer Fachjury ausgewählten Finalisten können auf umfangreiches Consulting in Sachen Erstellung eines Businessplans, Klärung rechtlicher und marketingtechnischer Fragen plus Know-how der Investorenkommunikation in Seminaren und Einzelberatungen zurückgreifen.

    Coca-Cola-Marketingchef Philipp Bodzenta ist immer dabei – es ist sein Herzensprojekt in einer Company, die rund ein Prozent ihrer Gewinne für solche sozialen Start-ups zur Verfügung stellt und dabei weltweit besonderen Fokus auf das Empowerment von Frauen legt.

    Marisa Mühlböck überzeugte mit Projekt und Präsentation: Die Wirtschaftsabsolventin (Diplomarbeit zur Beschäftigung im Non-Profit-Sektor) beschäftigte sich seit Beginn ihrer Ausbildung mit dem Thema, arbeitete als Consultant in der PR-Agentur Pleon Publico an Kampagnen gegen Ausgrenzung, sie ist im Vorstand des Verbands für gemeinnütziges Stiften und des Brustkrebsnetzwerks Europa Donna Austria. (red, 11.11.2017)

    • Seit elf Jahren werden mit diesem Preis Gründerinnen und Gründer gefördert, die soziale Innovation in die Welt bringen

      Seit elf Jahren werden mit diesem Preis Gründerinnen und Gründer gefördert, die soziale Innovation in die Welt bringen

    • Preisverleihung an der Wiener Wirtschaftsuni im Festsaal:  (von links): Philipp Bodzenta (Coca-Cola), Marisa Mühlböck (Discovering Hands), Adrian Cernautan (Coca-Cola), Anna Herzog (Discovering Hands), daneben Karin Bauer (Projektpartner STANDARD) und im Hintergrund Michael Meyer, NPO-Professor und Projektpartner der Wirtschaftsuni Wien
      foto: bendorodad

      Preisverleihung an der Wiener Wirtschaftsuni im Festsaal: (von links): Philipp Bodzenta (Coca-Cola), Marisa Mühlböck (Discovering Hands), Adrian Cernautan (Coca-Cola), Anna Herzog (Discovering Hands), daneben Karin Bauer (Projektpartner STANDARD) und im Hintergrund Michael Meyer, NPO-Professor und Projektpartner der Wirtschaftsuni Wien

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