Mitarbeiter säkularer Zeitung in Istanbul angeklagt

    7. November 2017, 17:06
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    Zeitung wird vorgeworfen, vor dem Putschversuch Hotel von Staatschef Erdogan öffentlich gemacht zu haben

    Istanbul – In Istanbul hat am Dienstag der Prozess gegen vier Mitarbeiter der regierungskritischen Zeitung "Sözcü" ("Der Sprecher") begonnen. Der Eigentümer Burak Akbay und drei Mitarbeiter der säkularen Zeitung sind der "Unterstützung" und der "Propaganda" für die als Terrororganisation verbotene Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen angeklagt.

    Diese wird in der Türkei für den gescheiterten Militärputsch vom 15. Juli 2016 verantwortlich gemacht.

    Neben dem Eigentümer Akbay sind die Onlinechefin Mediha Olgun, der Izmir-Korrespondent Gökmen Ulu und die Finanzchefin Yonca Kaleli angeklagt. Die Justiz hatte am 19. Mai Haftbefehle gegen sie ausgestellt. Der Zeitung wird vorgeworfen, vor dem Putschversuch öffentlich gemacht zu haben, in welchem Hotel der Küstenstadt Marmaris sich Präsident Tayyip Erdogan mit seiner Familie zum Urlaub aufhielt.

    Für Kritik angeklagt

    Ulu wies die Vorwürfe, zur Bruderschaft Gülens zu gehören, als "grobe Verleumdung" zurück. Er habe bei seiner Arbeit "nie gegen universelle journalistische Prinzipien" verstoßen, sagte Ulu laut der Nachrichtenagentur Dogan bei der Verhandlung im Istanbuler Justizpalast Caglayan. Er sollte besser direkt dafür angeklagt werden, "oppositionellen Journalismus" betrieben zu haben.

    Ulu sagte, jeder in Marmaris habe gewusst, dass Erdogan in der Stadt zum Urlaub sei. Eine Untersuchung des Parlaments sei auch zu dem Schluss gekommen, dass die Putschisten Erdogans Aufenthaltsort nicht aus der Presse erfahren hätten, sagte der Journalist. Aufständische Soldaten hatten in der Putschnacht versucht, den Präsidenten an seinem Urlaubsort festzunehmen.

    Schutz für "echte Gülenisten"

    Der "Sözcü"-Eigentümer Akbay, der sich nicht in der Türkei aufhält, wies die Vorwürfe in einer Verteidigungsschrift als "Verschwörung" zurück, die die "echten Gülenisten" schützen solle. Er werde angegriffen, weil er "eine Zeitung auf der Linie" von Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk gegründet habe, schrieb Akbay laut Dogan. Die Gülen-Bewegung habe er immer kritisiert.

    Seit dem Putschversuch wurden in der Türkei fast 150 Medien geschlossen und mehr als hundert Journalisten festgenommen. Kritiker werfen Erdogan vor, die Pressefreiheit immer weiter zu beschneiden. Derzeit laufen auch Prozesse gegen Mitarbeiter der regierungskritischen Zeitung "Cumhuriyet" sowie des Gülen-nahen Blatts "Zaman". (APA, 7.11.2017)

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