Blick auf Schweinefleisch abseits von heiler Welt oder Skandal

    7. November 2017, 16:33
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    Rund 54,2 Kilogramm Schwein verbraucht ein Österreicher pro Jahr, ein Verein informiert nun über die Produktion im Detail

    Wien – Die Österreicher haben großen Appetit auf Schweine. Laut Versorgungsbilanz der Statistik Österreich wurden im Jahr 2016 54,2 Kilogramm pro Person verbraucht. In dieser Zahl ist etwa auch das Gewicht der Knochen inkludiert. Zum Vergleich: Beim Geflügel waren es 21,6 Kilogramm und bei Rind und Kalb 17,9 Kilogramm. Fast alle fünf Millionen geschlachtete Schweine haben dabei ihren Stall in den sechs Monaten ihrer Mast nie von außen gesehen.

    Verein will wertfreie Info anbieten

    Österreich liegt zwar beim Verzehr von Schweinefleisch im europäischen Spitzenfeld, doch das Wissen über Haltung, Ernährung, Transport und Schlachtung fehle vielen Konsumenten, konstatiert Hannes Royer vom Verein Land schafft Leben im Rahmen einer Pressekonferenz am Dienstag: "Konsumenten kennen zum Großteil schöne Werbebilder oder Skandale." Der Verein informiert daher, "ohne zu werten", wie Royer sagt, auf seiner Plattform über Hintergründe.

    Das achtköpfige Team des Schladminger Vereins hat sich ein Jahr lang mit vielen Aspekten eines Schweinelebens als Nutztier beschäftigt. Dazu wurden 52 Stationen kontaktiert, darunter AMA, Ages, die Universität für Bodenkultur Wien, die Veterinärmedizinische Universität Wien, das Gesundheitsministerium, Schweinezuchtverbände sowie die Schweineprüfanstalt. Neben Texten wird auch in kurzen Filmen gezeigt, wie Ferkel in ihren Boxen leben oder durch Tierärzte untersucht werden – aber auch emotionalere Themen, etwa wie Säue besamt, Ferkel ohne Narkose kastriert und ihre Schwänze abgeschnitten und die Tiere schließlich geschlachtet werden. Zu Wort kommen Landwirte, Züchter, Schlachter, Tierärzte, Tierschützer oder Wissenschafter.

    Bioschweinefleisch selten

    Bioschweinefleisch liegt übrigens selten auf dem Teller, nur 2,2 Prozent der Schweine werden so gehalten. Die Nachfrage sei im Vergleich zu anderen Biolebensmitteln gering, da die Kosten deutlich höher liegen. Zum Vergleich: Bei Eiern liegt der Bioanteil bei 20 Prozent und bei Milch bei 15 Prozent.

    Die Schweine in konventioneller Haltung stehen auf Vollspaltböden aus Beton ohne Einstreu und haben nie Auslauf. Laut Gesetz müssen jedem Tier 0,7 Quadratmeter zur Verfügung stehen. "Eigentlich sollen sie sich nicht viel beschäftigen, sondern wachsen", meint auch eine Züchterin in einem Video auf der Plattform. Fünf Tage vor und vier Wochen nach der Geburt sind konventionelle Zuchtsauen derzeit noch im Kastenstand fixiert. Das soll erst ab 2033 verboten sein.

    Viele Schweinebauern geben auf

    Viele heimische Schweinebauern haben übrigens in den vergangenen Jahren die Produktion aufgegeben. Im Jahr 2000 gab es mit knapp 64.000 Schweinebauern noch mehr als doppelt so viele wie heute mit knapp 31.000, dafür hält ein einzelner Landwirt 2017 dreimal so viele Tiere wie damals.

    Der Verein, der keine Unterstützung über öffentliche Stellen erhält, will mit der Plattform – mittlerweile wurde das zehnte Lebensmittel vorgestellt – Informationen zu den Konsumenten bringen. Biobauer Royer, der aus einer Bergbauernfamilie in der Steiermark stammt, ist im Rahmen eines eigenen Geschäfts im Jahr 2013 aufgefallen, dass die Konsumenten immer weniger über ihr Essen wissen.

    Ihm sei wichtig, dass das Lebensmittel noch einen Wert und nicht nur einen Preis hat. Denn aktuell kauft mehr als die Hälfte der Konsumenten ausschließlich über Aktionspreise. "Wir lassen jährlich rund eine Tonne Lebensmittel durch uns durch", sagt er. Da lohne es sich genauer hinzuschauen. (Julia Schilly, 7.11.2017)

    • Ein Blick in einen konventionellen Stall eines niederösterreichischen Züchters.
      foto: apa/helmut fohringer

      Ein Blick in einen konventionellen Stall eines niederösterreichischen Züchters.

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