Nutzfahrzeuge setzen vermehrt auf Erdgas

    14. November 2017, 12:00
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    Lastwagen mit neuen Flüssiggasantrieben versprechen, den Gütertransport auf der Straße klimafreundlicher und kostengünstiger zu gestalten

    Wien – Auf der Suche nach Alternativen zum Diesel setzt die Nutzfahrzeugbranche zunehmend auf Erdgas. Während sich dieser Kraftstoff als sogenanntes Compressed Natural Gas (CNG) zumindest im Kleintransporter- und Pkw-Bereich bereits eine kleine Nische erobert hat – rund 7000 CNG-Fahrzeuge sind in Österreich unterwegs –, hat sich der Treibstoff im Fernverkehr bislang schwergetan. Der Grund: Der gasförmige Treibstoff braucht viel Platz im Fahrzeug, darum muss in der Regel schon nach 300 bis 400 Kilometern nachgetankt werden.

    Ein Problem, dessen sich die Lkw-Hersteller in den letzten Jahren angenommen und mit Lastwagen, die mit Liquid Natural Gas (LNG) betankt werden, eine gangbare Lösung vorgelegt haben. Dabei wird das Erdgas auf rund minus 160 Grad Celsius heruntergekühlt und so verflüssigt. Das Expansionsverhältnis bei der anschließenden Regasifizierung beträgt 1:600, sodass große Mengen von Energie in Form von LNG transportiert und bevorratet werden können. Womit das Problem der Reichweite gelöst wäre.

    Gleichwertig mit Diesel

    Als sehr reines Erdgas besteht LNG zu fast 100 Prozent aus Methan und hat einen durchschnittlichen Brennwert von 10 kWh/m3 bzw. 13,7 kWh pro Kilogramm, wie man bei der EVN-Tochter Rohöl-Aufsuchungs AG (RAG) vorrechnet.

    Zum Vergleich: Der durchschnittliche Brennwert von Diesel liegt bei 12,6 kWh pro Kilogramm. Beide Kraftstoffe sind also beinahe gleichwertig.

    Die RAG hat Ende September auch die erste LNG-Tankstelle in Österreich für Lkws mit Standort im Ennshafen in Oberösterreich eröffnet. Pro Tag werden derzeit zwei Tonnen LNG für diese Station hergestellt, das entspricht einer Betankung von zehn bis 15 LNG-Lkws pro Tag – samt importiertem LNG könnte die Kapazität dieser einen Tankstelle auf 25 Lkws täglich verdoppelt werden.

    Insgesamt können am Ennshafen zurzeit rund zwölf Tonnen verflüssigtes Erdgas gelagert werden – eine Menge, die für 60 bis 90 Lkw-Tankfüllungen reicht. Eine Lkw-Betankung dauert fünf bis zehn Minuten. Weitere Tankstationen sollen folgen.

    Das freut selbstverständlich auch die Hersteller, die den LNG-Lkw derzeit forcieren. Vor allem mit dem Argument, dass es sich bei Flüssiggas um die beste am Markt verfügbare Alternative zum Diesel handle – Stichwort: Klimaschutz. Denn die Senkung klimaschädlicher Emissionen im Speditionsgewerbe ist ein Dauerbrenner: Transporte verursachen in der EU 28 Prozent der CO2-Belastung. Im Mai stellte die EU eine Verordnung vor, die ab 2019 eine Angabe zum CO2-Ausstoß von schweren Nutzfahrzeugen vorschreibt. Ziel ist es, die Emissionen zu senken.

    Weniger Emissionen

    Hier kommt LNG ins Spiel: Pro Lastauto könnten mit verflüssigtem Erdgas im Vergleich zu einem Euro-6-Diesel bis zu 20 Tonnen CO2 pro Jahr gespart, das Feinstaubaufkommen um 95 Prozent gesenkt und die NOx- bzw. NO2-Emissionen um mehr als 70 Prozent vermindert werden, rechnet die Branche vor.

    Und, das dürfte die Spediteure und Fuhrparkbetreiber besonders reizen: Die Kraftstoffkosten könnten gegenüber dem Dieselantrieb ebenfalls deutlich sinken. Preislich habe LNG gegenüber Diesel die Nase vorn. Ein Kilo LNG, was etwa 1,3 Liter Diesel entspreche, koste rund einen Euro, sagt RAG-Chef Markus Mitteregger: "Das sind circa 30 Prozent unter dem Dieselpreis, dadurch amortisieren sich die höheren Anschaffungskosten." Für die Frächter entscheidend seien die "total cost of ownership", die lägen deutlich unter jenen von Diesel-Lkws.

    Treiber für eine Anschaffung von LNG-Lkws bei Frächtern sei neben den Kosten zunehmend der Wunsch von Auftraggebern nach möglichst sauberen Transporten. Auch die Aussicht, dass Methangas aus biologischen Quellen kommen könne, sei ein zusätzlicher Anreiz. Vorreiter bei Erdgas-Lkws war Iveco. Der Hersteller hat in Europa bereits 2000 LNG-Trucks auf die Straße gebracht. Das neueste Modell ist der Schwerlaster Stralis NP 460.

    Gasmotor nach Dieselprinzip

    Bei Volvo Trucks setzt man in den Modellen Volvo FH LNG und Volvo FM LNG anstelle eines Ottomotors, der normalerweise bei gasbetriebenen Fahrzeugen genutzt wird, auf einen Gasmotor nach dem Dieselprinzip. Der soll in Sachen Leistung, Effizienz und Kraftstoffverbrauch den jeweiligen Dieselmotoren von Volvo in nichts nachstehen. (Markus Böhm, 14.11.2017)

    • Die brauchbarste Alternative zum Diesel ist im Fernverkehr laut Herstellern momentan Liquid Natural Gas (LNG), also Flüssiggas.
      foto: volvo trucks

      Die brauchbarste Alternative zum Diesel ist im Fernverkehr laut Herstellern momentan Liquid Natural Gas (LNG), also Flüssiggas.

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