Gurken, Glitzer, Dampf: Intimpflege als Gesundheitsrisiko

    12. November 2017, 12:12
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    Im Internet kursieren seltsame Empfehlungen zur Intimhygiene – Experten raten zu Wasser als Mittel der Wahl

    Die Gurke hat eine neue Facette. Sie nennt sich "Yoni Cucumber Cleanse" und kursiert in den sozialen Medien. Auf Youtube gibt es eine ganze Liste von Tutorials. Der "Yoni Cucumber Cleanse" ist aber nicht, wie der Name nahelegen würde, ein Gurken-Smoothie zum Trinken, sondern eine als Vaginalreinigung angepriesene Methode. Eine geschälte Gurke soll für etwa 20 Minuten im Körper bleiben. Das soll auch für frischen Geruch sorgen.

    "Das sorgt für Verunsicherung", sagt der Linzer Gynäkologe Joachim Pömer und warnt vor der Gurkenmethode. "Einmal ganz abgesehen vom Verletzungsrisiko kann eine Gurke das Scheidenmilieu verändern", sagt er. Was ihren pH-Wert betrifft, ist die Scheidenflora im Normalfall sauer und dadurch eine wichtige Barriere für eindringende Keime. Eine Gurke jedoch ist basisch, hat einen pH-Wert zwischen 8 und 9. "Das kann unter Umständen das gesunde Scheidenmilieu kaputtmachen", warnt Pömer. In der Folge könnten sich Bakterien und Pilze leichter ansiedeln.

    Dampf und Glitzerstaub

    Gut findet der Gynäkologe aber auch andere Trends in Sachen Intimreinigung nicht, wie etwa das "Vagina Steaming". US-Schauspielerin Gwyneth Paltrow, im Nebenberuf Betreiberin der Lifestyleplattform Goop, empfiehlt Dampfbäder mit frischen Kräutern für die Vagina, zur Reinigung des Uterus, wie sie sagt.

    Das ist gefährlich, reagierten eine ganze Reihe von US-Experten und warnten vor der Verbrennungsgefahr durch den heißen Dampf, außerdem könnten die ätherischen Öle in Kräutern sogar allergische Reaktionen auslösen. Und der Uterus, der damit ja gereinigt werden soll, würde vom heißen Dampf ganz sicher nicht erreicht werden, weil er im Inneren des Körpers ist. "Für den Genitalbereich ist es nicht gut, wenn er gezielt erhitzt wird", ergänzt Pömer.

    Ebenfalls heiß diskutiert wurde vor einigen Monaten der aus den USA kommende "Passion Dust". Dabei handelt es sich um Kapseln, die rund eine Stunde vor dem Geschlechtsverkehr in die Vagina eingeführt werden, sich dort auflösen und dann Glitzerstaub mit Geschmack freisetzen. Zwar wird beteuert, dass bei "Passion Dust" ausschließlich unbedenkliche Inhaltsstoffe zum Einsatz kommen, Ärzte raten dennoch eindringlich ab, weil durch den Fremdkörper die Scheidenflora beeinträchtigt werden könnte.

    Keine Waschlotionen

    Generell, betont Pömer, sei die Vagina ein "selbstreinigendes Organ". Bei gesunden Frauen reicht daher die Reinigung mit Wasser. Waschlotionen, Reinigungstücher und Vaginalduschen seien unnötig, im schlechtesten Fall sogar kontraproduktiv, warnt der Mediziner. "Da wird ein Riesengeschäft mit der Unsicherheit gemacht", urteilt er. "Der Intimbereich ist bei Männern und Frauen ein heikles Thema. Wenn man sich jemandem so öffnet, dann möchte man, dass alles passt." Zudem vermittelt die Werbung vollkommen unrealistische Bilder: "Da werden Blumenwiesen und Schmetterlinge in Verbindung mit Intimpflegeprodukten gezeigt, das weckt eine falsche Erwartungshaltung, was den eigenen und Genitalbereich betrifft."

    Wird der Intimgeruch tatsächlich als unangenehm empfunden, dann kann das an gewissen Nahrungsmitteln – besonders viel Zwiebel oder Knoblauch im Essen zum Beispiel – liegen. Oft ist ein unangenehmem Geruch aber Zeichen einer Infektion, sagt Pömer. "Und eine Infektion wird sicher nicht besser, wenn man die Vagina besonders intensiv wäscht und damit noch weiter reizt." (red, 12.11.2017)

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