Formel-1-Star Hamilton sparte mit Zwischenstopp Millionen, Bono ist "erschüttert"

7. November 2017, 08:26
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Lewis Hamilton musste seinen Jet eigens auf die Isle of Man fliegen, um von einer Steuerbefreiung zu profitieren. U2-Frontman Bono beteuert Ahnungslosigkeit

Der mehrfache Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton zählt zu den Steuersparspezialisten, denen sich die Paradise Papers widmen. An dem Recherchenetzwerk beteiligte Medien wie "Guardian" und die "Süddeutsche Zeitung" berichten unter Berufung auf geleakte Steuerdaten, Hamilton nutze ein gängiges Modell, um die Mehrwertsteuer in Höhe von 20 Prozent für den Import von Flugzeugen nach Europa zu vermeiden. Insgesamt seien so gut 4,06 Millionen Dollar gespart worden, schreibt die "SZ".

Hamilton hatte für 20,3 Millionen Euro ein Flugzeug vom Typ Bombardier Challenger 605 in Kanada erstanden. Statt es direkt in die EU einzuführen, sei er am 21. Januar 2013 auf der Isle of Man gelandet, einer kleinen Insel in der Irischen See. Diese sei zwar kein Mitglied der EU, habe aber ein Zollabkommen mit dem Mitgliedsstaat Großbritannien. Dadurch gelte ein Flugzeug, das über die Isle of Man eingeführt werde, de facto als in die EU importiert, heißt es in den Berichten. Versteuert werde es aber nach den Regeln der Isle of Man.

Eigener Briefkasten gegründet

Und diese lassen den Berichten zufolge ein großes Schlupfloch zum Steuersparen: Die Anwaltskanzlei Appleby habe für Hamilton zunächst auf der Isle of Man eine Briefkastenfirma namens Stealth gegründet. Stealth verleaste die Challenger 605 zunächst an ein Luftfahrtunternehmen, das nicht Hamilton gehörte. Von dieser habe Hamilton den Jet dann zurückgechartert. Auf diese Weise sei ein Leasing-Geschäft zustande gekommen – mit dem dann die Mehrwertsteuerpflicht weggefallen sei, berichtet der "Guardian".

Für Alex Cobham, Leiter der Nichtregierungsorganisation Tax Justice Network, welche die Aktivitäten von Appleby und Co. kritisch verfolgt, sind all die Luxusflugzeuge und Jachten, die steuersparend von Offshore-Gesellschaften gehalten werden, ein Symbol für die wachsende Ungleichheit. Diese Offshore-Strukturen seien nur dazu da, "Schwächen im internationalen Steuersystem durch Verschleierung von Eigentumsverhältnissen auszubeuten", so Cobham.

Geschäftsmodell

Die Isle of Man habe aus solchen Deals inzwischen ein Geschäftsmodell gemacht, berichtet die "SZ". Nach Angaben des Zolls der Insel sind dort aktuell 262 Firmen zu Leasing-Zwecken registriert. 231 von ihnen seien zwischen 2011 und 2017 komplett von der Mehrwertsteuer befreit worden: Insgesamt ergebe das eine Steuerersparnis von umgerechnet heute knapp 900 Millionen Euro.

Hamiltons Anwälte erklärten gegenüber den Zeitungen, dass es sich bei "Stealth" nicht um eine Briefkastenfirma handle und das Leasing-Geschäft mit Flugzeugen eine gängige und normale Praktik sei.

Bono ist "erschüttert" über Steuervermeidungsberichte

Der irische Rocksänger Bono hat sich "erschüttert" über Erkenntnisse aus den "Paradise Papers" gezeigt, wonach er Investitionen über Firmen in Steueroasen tätigte. Etwas, das "alles andere als vorbildlich war", sei unter seinem Namen getan worden, erklärte Bono in einer Stellungnahme, die der britischen Zeitung "Guardian" und der BBC vorlagen.

Der Frontmann der Rockband U2 bezeichnete sich als "passiven" Investor und betonte, ihm sei versichert worden, dass die Firmen sich voll und ganz an die Steuervorschriften hielten.

Der Sänger, der sich seit Jahren für den Kampf gegen Armut in Entwicklungsländern einsetzt, begrüßt nach eigenen Angaben die neuen Enthüllungen über Steuertricks von Firmen. "Tatsache ist, dass ich die Berichte begrüße", erklärte er und forderte öffentlich zugängliche Register in den Steuerparadiesen. "Ich nehme diese Sache sehr ernst. Ich habe mich immer dafür ausgesprochen, dass Besitzer von Offshore-Firmen transparent agieren."

Bono, der mit richtigem Namen Paul David Hewson heißt, investierte den Dokumenten zufolge über Firmen in den Steuerparadiesen Malta und Guernsey in ein Einkaufszentrum in Litauen. (red, APA, 6.11.2017)

  • Der neue Weltmeister hat nichts zu verschenken.
    foto: afp/alfredo estrella

    Der neue Weltmeister hat nichts zu verschenken.

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