Renzi in Nöten: Realitätsverweigerung

Kommentar6. November 2017, 17:37
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Matteo Renzi hofft auf ein Comeback, aber dieses wird es wohl nicht geben

Er war der Umfragenkaiser, der Strahlemann. Und als Matteo Renzi mit 39 Jahren Ministerpräsident wurde (ja, das galt damals noch als sehr jung), lag ihm ganz Italien zu Füßen. Da war er der "rottamatore" (Verschrotter), der das alte, korrupte Italien zerstören wollte.

Doch zerstört hat Renzi vor allem seine Partei – und auch sich selbst. Der sensationelle Sieg seiner Sozialdemokraten bei der Europawahl im Mai 2014 war sein erster Erfolg, er sollte aber auch sein letzter gewesen sein: Schnell kam Renzi in den Ruf, allzu abgehoben zu sein – und so zwangen die Italiener den Überflieger zur Bruchlandung: Vor knapp einem Jahr ließen sie seine Verfassungsreform per Referendum durchfallen. Renzi musste zurücktreten, weil er (ähnlich wie zuvor sein britischer Kollege David Cameron beim Brexit-Votum) sein persönliches politisches Schicksal davon abhängig gemacht hatte.

Seitdem hofft Renzi auf ein Comeback, aber dieses wird es wohl nicht geben: Er hat sein Kapital verspielt, nicht nur bei den Wählern, sondern auch in der Partei. Das Debakel bei der Regionalwahl in Sizilien vom Wochenende wird sie ihm nicht verzeihen. Längst sind die Stimmen jener nicht mehr zu überhören, die im Frühjahr 2018 einen anderen am Ruder der Partei sehen wollen. Schließlich geht es darum, einen Sieg von Silvio Berlusconi oder Beppe Grillo zu verhindern. Dass Renzi dieser Retter sein kann, dürfte mittlerweile fast nur noch Renzi selbst glauben. (Gianluca Wallisch, 6.11.2017)

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