Leishmaniose: Wie das Umfeld das Erbgut bestimmt

    7. November 2017, 10:00
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    Die Viszerale Leishmaniose ist tödlich, weil sich der Erreger anpasst – Infektionsgefahr in Südamerika, Asien und und im Mittelmeerraum

    "Kala-Azar" ist eine Infektionskrankheit, die durch Parasiten (Leishmania donovani) ausgelöst wird und unbehandelt tödlich ist. Die Erreger haben ein sehr flexibles Erbgut mit variablen Chromosomenzahlen und können sich damit sehr gut an neue Umweltbedingungen anpassen, fand ein Forscherteam mit österreichischer Beteiligung heraus. Die Studie erschien im Fachjournal "Nature Ecology and Evolution".

    Etwa zwölf Millionen Menschen sind nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit Leishmanien infiziert. Dies sind Einzeller mit echtem Zellkern und Chromosomen, sie vermehren sich im Körper in Immunzellen (Makrophagen), die im Blut patrouillieren. Leishmania donovani ruft eine sehr ernste Krankheit ("Kala Azar", im Medizinjargon "viszerale Leishmaniose") hervor, bei der die inneren Organe Schaden nehmen. Sie kommt auch in Europa vor, die Betroffenen stecken sich meist auf Reisen in Asien, Südamerika oder dem Mittelmeerraum an.

    Hohe Fluktuation

    Die Forscher um Cedric Notredame vom Centre for Genomic Regulation in Barcelona untersuchten das Erbgut von 204 Parasiten-Stämmen, die aus Patienten isoliert wurden. Sie fanden heraus, dass zusätzliche Chromosomen bei den Leishmanien die Regel, und nicht die Ausnahme sind. Sie haben 36 verschiedene Chromosomen, doch von den einzelnen Chromosomentypen waren teils zwei in den Parasiten, mal drei oder auch nur eines.

    Diese Fluktuationen ermöglichen eine natürliche Auslese auf nützliche Varianten (Haplotypen), meinen die Forscher, zu denen auch Heinz Himmelbauer vom Institut für Biotechnologie der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien zählt. Dadurch können sich die Leishmanien sich sehr schnell an neue Bedingungen anpassen, was eine Therapie erschwert.

    Die Parasiten haben zusätzlich Mechanismen entwickelt, die ihre Vielfalt erhöhen und bewahren, berichten sie. Einerseits erhalten sie sich für spätere Zwecke in Randpopulationen Chromosomen-Variationen, die gerade nicht modern sind, andererseits erlaube ihr Erbgut eine hohe Mutationsrate und somit ein großes Maß an Veränderung. (APA, 7.11.2017)

    • Sandmücke der Gattung Phlebotomus, Überträgerin der Leishmaniose.
      foto: meckes/ottawa, eye of science/meckes/ottawa, eye of science

      Sandmücke der Gattung Phlebotomus, Überträgerin der Leishmaniose.

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