Wien bis Cayman: Das internationale Konstrukt der Schwedenbomben

5. November 2017, 23:03
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Niemetz: Steuern und Abgaben werden zu hundert Prozent in Österreich entrichtet

Wien – Die Paradise-Papers geben Einblicke in Unternehmensstrukturen, die bisher nicht bekannt waren – auch in Österreich. Ein Beispiel sind laut ORF die vermeintlich besonders österreichischen Niemetz-Schwedenbomben. Die Firma meldete 2013 Insolvenz an, gehört seither zur Schweizer Heidi Chocolat, die Teil des Meinl-Imperiums ist. Mit der Übernahme begann für die süßen Bomben auch eine Karibik-Reise.

Exotisch sind an den Schwedenbomben inzwischen nicht mehr nur die Kokosstreusel in der entsprechenden Variante. Die Mutterfirma Heidi Chocolat sitzt im Schweizer Kanton Zug. Heidi gehört der Kex Confectionery in Bukarest, die zu fast hundert Prozent der Kex Confectionery Limited auf Malta gehört. So weit ist die Unternehmensstruktur auch öffentlich bekannt. Aber: Auch diese maltesische Firma hat eine Mutter, die Oryxa Capital auf den Cayman Islands, berichtet der ORF. Die Oryxa ist, wie die Paradise-Papers zeigen, Teil des Meinl-Imperiums.

Warum dieses Konstrukt? Die entsprechende Anfrage der "ZiB 2" und des "Falter" – beide gehören zur internationalen Rechercheplattform ICIJ, die Zugriff auf die Paradise-Papers hat – bei Meinl wurde bisher nicht beantwortet. Niemetz hielt fest, dass "die Steuern und Abgaben von Niemetz-Schwedenbomben selbstverständlich zu hundert Prozent in Österreich entrichtet werden".

Cayman Islands "aus Tradition"

Das bezweifelt auch der Steuerexperte nicht. Aber warum endet all das auf den Cayman Islands? "Die Cayman Islands dürften einen historischen Grund haben. Man weiß ja schon von Meinl European Land und so weiter, dass da Cayman immer eingeschaltet wurde", sagte Steuerexperte Gottfried Schellmann in einer Sonder-"ZiB 2" am Sonntag. "Das hat auch eine gewisse Tradition aus der britischen Sicht. Die Familie ist ja auch sehr britisch geprägt. Und da ist man halt, wenn man international tätig war in diesen Lokationen, auf diese Inseln gegangen."

Was in den Gesellschaften im Detail passiert, lässt sich anhand der Paradise-Papers laut ORf nicht nachvollziehen. Die Muttergesellschaft auf den Cayman Islands ist allerdings steuerbefreit. Eine amtliche Bestätigung dafür finde sich in den Dokumenten. (APA, 5.11.2017)

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