"Der Fall Holdt": Forum zum "Tatort" mit Maria Furtwängler

    Ansichtssache29. Oktober 2017, 16:39
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    Die Entführung der Bankiersgattin beruht auf wahren Tatsachen. Ein schwerer Fall für Charlotte Lindholm. Wie gefällt Ihnen diese Folge?

    foto: dr/marion von der mehden

    Am Anfang feiert Charlotte Lindholm noch Party Party, aber schnell ist Schluss mit lustig. Am Parkplatz wird die Kommissarin überfallen und brutal zusammengeschlagen. Der Übergriff hat Folgen auf ihre Einschätzung im Entführungsfall Holdt. Die Frau eines Bankiers wurde gekidnappt, der Ehemann gerät unter Verdacht, selbst etwas damit zu tun zu haben. Es beginnt ein vernichtendes Räuber-und-Gendarm-Spiel. Der Schluss ist eine Katastrophe.

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    "Man könnte nun anmerken, dass eine gestandene Polizistin sich gegen körperliche Angriffe zu wehren wissen sollte. Lindholm ist im Moment der brutalen Attacke so baff, dass sie nur einen Polizeigriff anbringen kann, sich dann aber nicht mehr wehrt. Spätestens hier sind wir bei #MeToo angekommen, was die Folge zu einem zufälligen, aber hilfreichen Beitrag zur Debatte macht, weil es um Reaktionen auf Gewalt von Männern an Frauen geht", schreibt Doris Priesching im STANDARD. Die TV-Kritikerin sah "einen hervorragenden ,Tatort'."

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    foto: dr/marion von der mehden

    "Es war eine vielleicht riskante, im Resultat kluge Entscheidung der NDR-Redaktion, die Regie Anne Zohra Berrached zu geben. So jung, so erfahren, so erfolgreich mit "24 Wochen" und "Zwei Mütter" – noch keine "Tatort"-Inszenierung. Sie scheint sich der beliebtesten TV-Kommissarin in deren 25. Fall unbefangen genähert zu haben. Mit Lindholm geht es erst sublim, dann auf klarer Linie abwärts, und wenn ihr dabei von Buch und Regie auch Empathie fürs Versagen zugestanden wird, so verletzt die verletzte Frau andere Menschen", analysiert Joachim Huber auf tagesspiegel.de.

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    foto: dr/marion von der mehden

    In der "NZZ" schreibt Claudia Schwartz: ",Der Fall Holdt' ist erfreulich weit weg von jenen Sonntagskrimis, die ihr Gesellschaftsthema wie Abziehbilder angestrengt naiv aus der Vorlage deutscher Wirklichkeit stanzen. Und zufälligerweise grad schön nahe dran an der aktuellen #MeToo-Debatte. Weil der Film das Bewusstsein schärft dafür, dass Gewalt gegen Frauen immer mit einem gesellschaftlichen Klima anfängt, in dem etwa ein Chef seine Mitarbeiterin so mal schnell mit einem gerupften Huhn vergleicht."

    Und wie hat Ihnen der neue "Tatort" gefallen? Top oder Flop? (red, 5.11.2017)

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