Hervis will mit Mythos aufräumen, dass im Internet alles günstiger ist

5. November 2017, 13:32
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Der Sportartikelhändler steigt mit Preisvergleichen gegen die reinen Onlinehändler wie Amazon in den Ring

Wien/Salzburg – Der Sportartikelhändler Hervis steigt gegen die reinen Onlinehändler wie Amazon in den Ring und startet heute mit einer großen Werbekampagne. Das Besondere daran: Hervis setzt dabei auf Produkt-Preisvergleiche mit der Konkurrenz, was in der heimischen Werbung unüblich ist. "Wir wollen damit mit dem Mythos aufräumen, dass im Internet alles günstiger ist", so Hervis-Geschäftsführer Alfred Eichblatt.

Das Motto der Kampagne, die auf allen Kanälen (Print, TV, Internet) läuft, ist: "Der beste Preis ist näher als Du denkst." "Wir werden sehr laut sein", so der Geschäftsführer des Sportartikelhändlers im APA-Gespräch. Einen genauen Werbeetat wollte er nicht verraten.

Eichblatt sieht die Werbeoffensive nicht als Reaktion auf den Einstieg des norwegischen Sporthändlers XXL Sports & Outdoor im heurigen Herbst, der eine massive Expansionspolitik angekündigt hat. Dies sei ein Mitbewerber wie jeder andere – Hervis sei in sieben Ländern aktiv, wo immer mal wieder wer auftauche, aber auch wieder verschwinde.

Ausgezeichnet aufgestellt

Dass sich Hervis vor dem XXL-Markteintritt die Domain xxl.at gesichert hat, und diese Interessierte auf die Hervis-Seite umroutet, sieht er nicht als unfreundlichen Akt gegenüber dem Mitbewerber, es gebe darüber auch keinen Streit.

Eichblatt sieht sich im Onlinehandel "ausgezeichnet" aufgestellt, schließlich habe Hervis die Kombination aus Internet- und Filialgeschäft wie kaum ein anderes Unternehmen umgesetzt. "Die Hälfte der online bestellten Ware wird in den Filialen abgeholt", rechnet Eichblatt vor.

Als großer Sporthändler in Österreich sei eine Hervis-Filiale maximal 30 Minuten vom Kunden entfernt, wo er dann auch die Fachberatung und Nachbetreuung nach dem Kauf bekomme. "Wenn er es richtig macht ist der stationäre Handel stärker als online", so Eichblatt.

Er plädierte für weniger Furcht vor den internationalen Online-Riesen wie Amazon und auf eine Rückbesinnung darauf, die Wertschöpfung im eigenen Land zu halten. "Wir bilden über 300 Lehrlinge aus", verweist Eichblatt auf die Bedeutung heimischer Händler für den Wirtschaftsstandort.

Fortbildungsprogramm

Der Fokus auf die Lehrlingsausbildung zahle sich aber auch für Hervis aus. "Fast alle Führungskräfte haben bei uns als Lehrlinge begonnen, drei Viertel aller Filialen werden von ehemaligen Lehrlingen geführt", erklärte Eichblatt. Heuer werden die ersten "digitalen Lehrlinge" mit ihrer Lehrausbildung fertig, mittlerweile ist der zweite Pilotversuch angelaufen.

Dazu käme noch ein intensives Fortbildungsprogramm für die Mitarbeiter. "Wir haben rund 1.400 Beschäftigte in Österreich, von denen befinden sich 800 in einer Weiterbildung", rechnet der Geschäftsführer vor. Dies sei auch notwendig weil das Sportangebot immer umfangreicher werde.

Als Treiber für das heurige Weihnachtsgeschäft sieht er den boomenden Ausdauersport, allen voran das Tourengehen. Sehr gut verkaufen würden sich Smartwatches, wo man den Elektrohändlern erfolgreich Paroli biete.

Gut gelaufen sei heuer auch das Geschäft mit E-Bikes, allerdings seien hier auf Grund der massiven Wettbewerbssituation die Margen geringer als bei konventionellen Fahrrädern – obwohl diese im Schnitt das Vierfache eine normalen Rades kosten. Heuer würden österreichweit von allen Anbietern rund 450.000 Räder verkauft, 70.000 bis 80.000 werden voraussichtlich Elektroräder sein, so die grobe Einschätzung von Eichblatt. Somit würden E-Bikes schon die Hälfte des Umsatzes des Fahrradhandels ausmachen. (APA, 5.11.2017)

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    ...wer ist der billigste im ganzen Land? Eine Frage, die nicht alle Konsumenten bewegen, aber einige doch.

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