Zeuge der Causa Pilz: "So etwas hab ich überhaupt noch nicht erlebt"

    5. November 2017, 12:48
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    Anwalt Oliver Stauber schildert Vorfall in Alpbach 2013 – Pilz war "angetrunken, aber durchaus kommunikationsfähig"

    Wien – "So etwas hab ich überhaupt noch nicht erlebt", schildert der Anwalt Oliver Stauber dem STANDARD die Vorfälle beim Europäischen Forum Alpbach im Jahr 2013. Peter Pilz sei leicht angetrunken und aggressiv gewesen – und er habe die junge Mitarbeiterin der Europäischen Volkspartei richtig angefasst, an allen Körperteilen, am Hals, am Busen, am Rücken.

    Zu dem Vorfall war es am Rande des Justizempfangs beim Forum Alpbach gekommen, etwa hundert Leute seien auf der Terrasse des Hotels gestanden, hatten sich unterhalten. Zu der Runde um Stauber, Chris Niedermüller und die Kollegin der EVP sei Pilz gestoßen, leicht angeheitert, wie Stauber schildert, er habe provoziert, zuerst sei das noch lustig gewesen, dann zunehmend kontrovers. "Ganz offensichtlich hat er Gefallen an der jungen Dame gefunden", erzählt Stauber, "plötzlich ist er auf sie zugegangen, hat sie überall angefasst. Das war schon brutal." Er und Niedermüller seien dann eingeschritten, hätten Pilz zur Seite gedrängt. Das sei in aller Öffentlichkeit passiert.

    Zeugen haben Veröffentlichung nicht initiiert

    Dass sich Pilz an diesen Vorfall nicht mehr erinnern könne, glaubt Stauber nicht. "Er war angetrunken, aber durchaus kommunikationsfähig." Stauber, der heute Vorsitzender der Sektion ohne Namen in der SPÖ ist, weist alle Gerüchte entschieden zurück, dass es sich bei dem Bekanntwerden der Vorfälle um eine politische Intrige handeln könnte. "Ich habe das nicht initiiert, lediglich Auskunft dazu gegeben."

    Dass er nicht 2015 schon Anzeige erstattet hatte, begründet Stauber damit, dass es sich um ein Privatanklagedelikt handle und die betroffene Frau das weder anzeigen noch an die Öffentlichkeit gehen wollte.

    Die Betroffene selbst schildert das im "Falter" so: "Ich stand neben mir und wusste nicht, was gerade geschehen ist. Und weshalb er gerade an mir war? Als er mit seiner eigenen Liste kandidierte, habe ich mir schon immer wieder überlegt, ob ich das öffentlich machen soll. Aber wie schaut das aus, wenn eine EVP-Mitarbeiterin Anschuldigungen gegen den Saubermann Peter Pilz vorbringt, kurz vor der Wahl, fast vier Jahre nachdem es passiert ist; auch wenn's von Zeugen bestätigt wird, wirkt das wohl plump konstruiert. Ich bewundere die Courage seiner ehemaligen Mitarbeiterin."

    Auch Chris Niedermüller, ein Banker, der die Veröffentlichung mit einem Kommentar auf Twitter angestoßen hatte, weist Verschwörungstheorien zurück: "Es gab und gibt definitiv keine Agenda bei dieser Aufklärung." (völ, 5.11.2017)

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