Schiff mit 26 toten Flüchtlingen in Italien eingetroffen

    5. November 2017, 12:10
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    375 Migranten, darunter neun schwangere Frauen – 1.300 Flüchtlingsankünfte innerhalb von zwei Tagen führen zu Protesten

    Rom – Ein spanisches Schiff mit 26 Leichen und 375 Migranten an Bord ist am Sonntag im Hafen der süditalienischen Hafenstadt Salerno eingetroffen. An Bord befanden sich auch neun schwangere Frauen, wie italienische Medien berichteten.

    Die Leichen der Migranten waren am Freitag im zentralen Mittelmeer geborgen worden. Sie befanden sich an Bord eines Schlauchbootes, das auf dem Weg nach Italien gesunken ist, berichteten italienische Medien. 64 Menschen, die sich an Bord des Schlauchbootes befanden, wurden gerettet.

    In der süditalienischen Stadt Reggio Calabria (Region Kalabrien) war am Samstagvormittag das Schiff "Diciotti" der italienischen Küstenwache mit 764 Migranten – darunter 112 Minderjährige – an Bord eingetroffen. Das Schiff habe auch acht Leichen mitgeführt, berichteten Medien.

    In Italien scheint die Zahl der Flüchtlingsankünfte wieder zu steigen. In der süditalienischen Hafenstadt Vibo Valentia (Region Kalabrien) war am Freitag das Schiff "Aquarius" der Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" mit 588 Migranten an Bord eingetroffen. Diese waren in den vergangenen Tagen vor der libyschen Küste gerettet worden. Weitere 18 algerische Migranten erreichten Sardinien.

    Die italienischen Rechtsparteien schlagen nach dem Eintreffen von 1.300 Migranten innerhalb von zwei Tagen Alarm wegen einer neuen Flüchtlingswelle. "Der Menschenhandel nimmt wieder zu, was das Scheitern der Regierung im Kampf gegen die illegale Einwanderung bezeugt", kommentierte die Partei Forza Italia.

    "Wiedereröffnung der Libyen-Route"

    Die italienische Tageszeitung "La Repubblica" sprach von einer "Wiedereröffnung der Libyen-Route". "Aus den jüngsten Zahlen geht hervor, dass der Pakt zwischen Innenminister Marco Minniti und der libyschen Regierung in Tripolis in Gefahr ist", kommentierte das Blatt. Warum nun schon seit mehr als einem Monat die Zahl der Boote aus Libyen wieder zunehme, ist unklar.

    Die neue Flüchtlingswelle setzt Premier Paolo Gentiloni unter Druck. Seine Demokratische Partei (PD) bemüht sich um neue Einbürgerungsregeln, mit denen 800.000 Migranten in Italien die Staatsbürgerschaft erhalten könnten. Dies wird von den Rechtsparteien heftig kritisiert. Die Migrationsfrage ist angesichts der Parlamentswahlen im Frühjahr ein besonders heikles Thema.

    Die Regierung in Rom bemühte sich indes um Beruhigung. Die Zusammenarbeit mit Libyen zur Bekämpfung des Menschenhandels habe bisher positive Resultate gezeigt, teilte das Innenministerium mit. Die Kooperation mit Libyen führte zu einem Rückgang von etwa 30 Prozent bei den Migrantenankünften seit Jahresbeginn. Die Zusammenarbeit gegen die illegale Migration soll ausgebaut werden, hieß es. (APA, 5.11.2017)

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