Razzia bei Metro wegen Verdachts auf Insiderhandel

    3. November 2017, 16:42
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    Polizei und Staatsanwaltschaft durchsuchen Büros – Aufsichtsratschef und ein Vorstand unter Verdacht

    Düsseldorf – Spitzenmanager des deutschen Handelskonzerns Metro stehen im Verdacht des Insiderhandels. Polizei und Staatsanwaltschaft durchsuchten am Freitag Büros des Konzerns, dieser kooperiere "in vollem Umfang" mit den Ermittlungsbehörden, sagte ein Konzernsprecher. Er wies den Vorwurf des Insiderhandels zurück. Den Anstoß für die Razzia hatte die Finanzaufsicht Bafin mit einer Anzeige gegeben. Sie sei "wegen des Verdachts des Insiderhandels und der Marktmanipulation in Aktien der Metro AG" aktiv geworden, erklärte eine Bafin-Sprecherin. Zu Details wollte sie sich nicht äußern. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Düsseldorf kündigte für Montag eine Erklärung an.

    Börsianer reagierten nervös: Metro-Aktien gaben am Nachmittag fast zwei Prozent nach und zählten damit zu den größten Verlierern im Nebenwerteindex MDax.

    Vorwürfe richten sich gegen Metro-Aufsichtsratschef Jürgen Steinemann sowie gegen Metro-Vorstand Pieter Boone. Es geht um Aktienkäufe, die beide Manager tätigten, kurz bevor der Konzern Ende März 2016 seine Aufspaltungspläne publik machte. Die Aktie der damaligen Metro AG legte am Tag der Ankündigung in der Spitze um 15 Prozent zu.

    Aktienkäufe vor dem Höhenflug

    Steinemann hatte einer Pflichtmitteilung zufolge am 22. Februar 2016, kurz nach seiner Wahl an die Spitze des Gremiums, für gut eine Million Euro 43.000 Aktien der damaligen Metro AG gekauft. Der damalige Cash-&-Carry-Chef Boone erwarb einer Pflichtmitteilung zufolge am 26. Februar 2016 für den damaligen Wert von knapp 50.000 Euro 2.175 Aktien. Die Metro sieht in beiden Fällen keinen Insiderhandel, betonte der Sprecher. "Die Metro AG hat die Nachricht von der beabsichtigten Aufspaltung des Unternehmens am 30. März 2016 pünktlich und unter Beachtung der einschlägigen Vorschriften kommuniziert und ist dabei allen entsprechenden Pflichten nachgekommen", sagte der Sprecher. "Zu dem Zeitpunkt, zu dem Herr Steinemann und Herr Boone Aktien erworben haben, lag keine Insiderinformation vor." Steinemann ist nicht nur bei der Metro engagiert. Er sitzt auch in den Verwaltungsräten der Schweizer Konzerne Barry Callebaut und Lonza Group.

    Konzernchef Olaf Koch hatte der Metro die Spaltung in einen Elektronikhändler um Media Markt und Saturn sowie einen Lebensmittelhändler verordnet. Er wollte die neuen Unternehmen damit schlagkräftiger machen. Heute sind beide Teile getrennt, die Media-Saturn-Holding firmiert unter dem Namen Ceconomy. Der Lebensmittelhändler rund um die Großmärkte und die Supermarktkette Real hat sich den Namen Metro gesichert.

    Die Bafin geht branchenweit immer wieder mutmaßlichen Unregelmäßigkeiten nach. Im vergangenen Jahr hatte die Behörde insgesamt 21 Vorfälle unter dem Verdacht des Insiderhandels bei den zuständigen Staatsanwaltschaften angezeigt. Bei Insiderhandel drohen in schweren Fällen bis zu fünf Jahre Haft. Es können aber auch Geldstrafen verhängt werden, wenn sich Vorwürfe bestätigen. Zuletzt hatten die Insiderhandels-Ermittlungen rund um die Deutsche Börse Schlagzeilen gemacht. Vorstandschef Carsten Kengeter hat die Vorwürde zwar zurückgewiesen, inzwischen aber seinen Rückzug angekündigt. (Reuters, 3.11.2017)

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