Obacht, Gewichtsspirale!

Kolumne9. November 2017, 12:06
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Die Zusammenführung der US- und Euro-Crashnormen bedeuten eine weitere Gewichtszunahme

Früher, vor 30, 40 Jahren, als die Autos noch annähernd doppelt so viel Sprit verbrauchten, sprach man von knapp einem Liter Mehrverbrauch je 100 kg Fahrzeuggewicht. Heute gilt als Faustformel noch immer ungefähr 0,3 Liter Mehrverbrauch je 100 kg.

Gleichzeitig sind die Autos auch deutlich schwerer geworden. Und sie werden noch schwerer. Die Zusammenführung der US- und Euro-Crashnormen bedeuten nichts anderes als eine weitere Verschärfung und folglich weitere Gewichtszunahme. Auch die Hybridisierung und Automatisierung wird sich noch kräftig aufs Gewicht schlagen.

foto: andreas stockinger
Der Alu-Space-Frame des Audi A8.

Das heißt, Leichtbau bleibt ein zentrales Thema, auch wenn sich das Fahrzeuggewicht beim Elektroauto durch das Rekuperieren nicht so gravierend auf den Energieverbrauch schlägt wie beim Verbrennerantrieb.

CFK und Magnesium

Leichtbau besteht bezüglich Werkstoffwahl im Wesentlichen aus vier Säulen: höchstfeste Stähle, Aluminium, Magnesium und kohlenstofffaserverstärkte Kunststoffe. Dabei lassen sich sehr schön Unterschiede in der Herangehensweise feststellen. So hat Audi beim neuen A8 den Weg des reinen Alu-Space-Frame verlassen und verwendet zwar noch überwiegend Aluminium, an besonders heiklen Stellen bezüglich Festigkeit kommt Stahl dazu. CFK und Magnesium wird eher homöopathisch eingesetzt.

BMW setzt beim neuen Siebener hingegen schwerpunktmäßig auch auf CFK. Die Frage, die in diesem Zusammenhang nicht so einfach zu beantworten ist, ist die nach der Energiebilanz und dem Recycling. So könnte der Mehraufwand für die Herstellung durchaus die Einsparung beim Fahren übertreffen, vor allem dann, wenn man auch einen realistischen Energiemix für die Herstellung annimmt. (Rudolf Skarics, 9.11.2017)

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