Wie aus dem iPhone-Kater wieder ein Hype wurde

3. November 2017, 10:54
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Ein superteures neues iPhone sorgte an den Börsen schon oft für einen Kater. Derzeit trauen Anleger Apple aber wieder einiges zu: Der Aktienkurs steigt

San Francisco/Berlin – Es ist noch gar nicht so lange her, dass sich Anleger vom neuen iPhone X enttäuscht zeigten: Apple könne den Märkten keine neuen Impulse geben, unkten Experten noch im September. Für Stirnrunzeln sorgten der hohe Preis von 1.000 Dollar und der späte Verkaufsstart am 3. November, also diesen Freitag.

Kräftige Gewinnsteigerung

Dabei steigerte Apple seinen Gewinn im letzten Quartal um knapp 19 Prozent auf 10,71 Milliarden Dollar. Marktführer Samsung machte mit seiner Handysparte zuletzt rund drei Milliarden Dollar Gewinn.

Zehn Jahre nach dem ersten iPhone rechnet Apple nun angesichts des Jubiläumsmodells mit einem glänzenden Weihnachtsgeschäft. Der Umsatz werde im laufenden Quartal zwischen 84 und 87 Milliarden Dollar liegen, kündigte der wertvollste Technologiekonzern der Welt am Donnerstag an. Im nachbörslichen Handel zogen Apple-Aktien um 3,4 Prozent auf ein Rekordhoch an.

Immerhin waren der Ausblick aufs Weihnachtsgeschäft wie auch das abgelaufene Quartal positiver als von Analysten erwartet. Der Konzern kommt derzeit auf eine Marktbewertung von 868 Milliarden Dollar und stellt damit jeden an der Börse gehandelten Konzern in den Schatten. Analyst Daniel Ives vom Marktforschungsinstitut GBH Insights hält es für möglich, dass Apple bald die Marke von einer Billion Dollar knackt. Zum Vergleich: Samsung Electronics ist an der Börse rund 350 Milliarden Dollar wert, der Google-Mutterkonzern Alphabet kommt auf knapp 720 Milliarden.

Seit Freitag im Handel

Am Freitag nun brachte Apple sein bisher teuerstes Smartphone in den Handel, unter 1.149 Euro ist es in Österreich nicht zu haben. Der Preis scheine Kunden jedoch kaum abzuschrecken, sagt Gartner-Analyst Brian Blau. Auch wenn der Vergleich etwas hinkt, weil die Zielgruppen nicht identisch sind: Von richtig teuer kann man bei den neuen iPhones nicht sprechen. Man erinnere sich nur an die Luxusmarke Vertu, die ihren Kunden schon das Basismodell um knapp 5.000 Euro verkaufte – 11.000 durfte so ein Stück schon einmal kosten.

Apples Finanzchef Luca Maestri erklärte jedenfalls, die Nachfrage nach dem Gerät sei sehr groß. Zuletzt hatte es immer wieder Berichte über Produktionsengpässe gegeben. Apple sei recht zufrieden damit, wie sich die Herstellung beim iPhone X entwickle, sagte Maestri. "Wo sich die Nachfrage- und Angebotskurve treffen, wissen wir nicht. Es gibt kein Vorgängerprodukt." Im vergangenen Weihnachtsgeschäft wurden mehr als 77 Millionen iPhones verkauft.

Umsatzanstieg auch in China

Insgesamt verkaufte Apple im letzten Quartal 46,7 Millionen iPhones. Sie tragen mehr als die Hälfte zum Gesamtumsatz bei, der um zwölf Prozent auf 52,6 Milliarden Dollar stieg. Laut Maestri gelang auch die Trendwende in China, wo der Umsatz zuletzt wieder stieg. In Indien hätten sich die Erlöse verdoppelt.

Apple verkauft neben dem iPhone auch sein iPad, Mac-Rechner und die Watch-Computeruhren. Der im Dezember kommende intelligente Lautsprecher Homepod wird die Produktpalette noch einmal erweitern. Analysten wie Blau gefällt das: Die Erweiterung werde dazu führen, dass dort auch der Umsatz zulege, sagt er.

Auch den Zulieferern bekommt die gute Stimmung. Die Aktien der britisch-deutschen Dialog Semiconductor kletterten am Freitag um 4,1 Prozent auf 43,72 Euro und waren unter den gefragtesten Werten im deutschen Technologieindex Tec Dax. ST Microelectronics legte an der Börse Mailand um 1,3 Prozent auf 20,70 Euro zu und erreichte den höchsten Stand seit März 2004. AMS stieg in der Schweiz um zwei Prozent auf 94,10 Franken. Die im Dax notierten Aktien des Chipherstellers Infineon kletterten um 1,2 Prozent auf 24,25 Euro. (Reuters, rebu, 3.11.2017)

  • Zum iPhone-Verkaufsstart gibt es nicht nur vielerorts die bekannten Warteschlangen, sondern mancherorts auch Proteste.
    foto: apa/afp/anthony wallace

    Zum iPhone-Verkaufsstart gibt es nicht nur vielerorts die bekannten Warteschlangen, sondern mancherorts auch Proteste.

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