Stiwoll: Eine Querulantengeschichte

Kommentar2. November 2017, 17:39
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Jahrelang fuhr der mutmaßliche Doppelmörder von Stiwoll mit "Heil Hitler"-Plakat spazieren

Ein älterer Mann im Dauerstreit mit seinen Nachbarn in einem kleinen ländlichen Ort, es geht um Grundstücke. Gleichzeitig fühlt er sich von der Justiz verfolgt, klagte Gott und die Welt, wurde selbst wegen übler Nachrede, Beleidigung und gefährlicher Drohungen gegenüber Justizorganen geklagt.

Klingt wie eine sehr, sehr österreichische Geschichte. In Redaktionen ist der Mann gefürchtete Dauerkundschaft. Früher schrieb so jemand dutzende Korrespondenzkarten in Kurrentschrift oder verschickte engzeilig beschriebene, mit vielen Ausrufungszeichen und Unterstreichungen garnierte Manuskripte. Heute hat so jemand eine Website oder stellt Filmchen auf Youtube. Ein Cyber-Querulant.

Und damit man auf seine Website auch richtig aufmerksam wird, hat er ein Plakat mit "Heil Hitler" in Riesenlettern auf seinem Kleinbus angebracht. Und fährt damit spazieren. Unbehelligt. Jahrelang. Die Justiz, in diesem Fall die Staatsanwaltschaft Graz, konnte leider, leider nichts machen. Originalton der Staatsanwaltschaft: "Der Beschuldigte hat damals glaubhaft versichern können, dass sich die Plakate und die Gestaltung seiner Homepage auf Missstände in der Justiz beziehen, dass er damit darauf aufmerksam machen und dass er sie mit den Methoden des NS-Regimes vergleichen wollte, weshalb ihm ein Wiederbetätigungsvorsatz im Sinne einer NS-Propaganda nicht nachweisbar war."

Na dann. Leider hatte der Mann Zugang zu Schusswaffen (trotz Waffenverbots). Und tötete zwei seiner Nachbarn. Er wollte halt auf Missstände aufmerksam machen. (Hans Rauscher, 2.11.2017)

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