"Three Billboards Outside Ebbing, Missouri": Die andere Seite Hollywoods

    Blog2. November 2017, 14:33
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    Der neue Film von Regisseur Martin McDonagh ist ein Gesamtkunstwerk

    "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" vereint alles, was einen guten Film ausmacht, und kann als ein positives Exempel für Hollywood gelten. Er zeigt, was alles möglich ist, wenn ein ausreichendes Budget und künstlerische Freiheit einem begabten Filmemacher überlassen werden. Die Verwirklichung der Filmvision von Martin McDonagh ("Brügge sehen ... und sterben?", "7 Psychos") scheint dabei zum Selbstläufer zu werden und den normalerweise üblichen überdimensionierten und einfallslosen Hollywood-Blockbustern zur Befriedigung des Massenpublikums genau dort den Rang abzulaufen.

    Von Anfang an durchdacht

    McDonagh lieferte, wie bei seinen vorigen Kinoproduktionen, auch das Drehbuch für den Film. Positiv setzt sich hierbei die Entwicklung von "Brügge sehen ... und sterben?" nach dem kurzen Fehltritt von "7 Psychos" fort. War "Brügge sehen ... und sterben?" ein schwarzhumoriger Gangsterfilm vor der malerischen mittelalterlichen Altstadt von Brügge, mit ethischen Implikationen inszeniert, dreht sich nun der Spieß um. Ein zutiefst ethisches Drama über Grundthemen von Sünde, Schuld, Sühne und Gerechtigkeit, das zusätzlich mit schwarzhumorigen Dialogen gewürzt wird, entfaltet sich vor der Kulisse einer typischen Kleinstadt im Mittleren Westen.

    Als Nebenhandlungen werden Alltagsrassismus und Polizeigewalt thematisiert. Zusätzlich werden unscheinbar und subtil Themen wie polizeiliche Aufklärungsarbeit, soziale Strukturen und Kritik an militärisch verdeckten Operationen angeschnitten und in die Handlung eingearbeitet. Die eigentliche Geschichte bleibt trotz der behandelten Themenvielfalt immer auf die Filmcharaktere fokussiert. Dadurch ergibt sich eine gute Balance und eine ungezwungene Abhandlung der Themen.

    Ensemble von Charakterdarstellern

    Die im Fokus stehenden und liebevoll entwickelten Charaktere werden auch durch die Auswahl der Darsteller hervorragend in Szene gesetzt. In den Hauptrollen glänzen Frances McDormand ("Fargo") und Sam Rockwell ("Frost/Nixon") sowie Woody Harrelson ("Die Tribute von Panem"), die dem Film zusätzlich mediale Zugwirkung verleihen. Aber auch in der Besetzung der Nebenrollen sticht etwa Peter Dinklage ("Game of Thrones") hervor.

    Die Darsteller sind dabei ihrer Aufgabe mehr als gewachsen. Den nuancenreichen, vielschichtigen Charakteren wird gekonnt und akribisch Leben eingehaucht. Es ergeben sich keine einfachen Schablonen von eindimensionalen Charakteren, sondern immer ein in die Tiefe gehender Facettenreichtum der wesentlichen Figuren.

    Gutes Zusammenwirken

    Die Handlung und die Filmcharaktere entfalten glaubhaft ihre Authentizität und Wirkung, welche immer mit dem passenden schwarzen Humor und schlagfertigen Dialogen aufgehellt werden. Passende musikalische Untermalung, situationsbezogene Adaptierung der Kameraführung und unaufgeregte Schnitte für die jeweiligen Filmsequenzen machen den Film zu einem Gesamtkunstwerk.

    Der Film kann höchstwahrscheinlich schon als Oscar-Favorit in mehreren Kategorien gehandelt werden. Sowohl "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" als auch McDonagh können dabei mit "Dunkirk" und Christopher Nolan konkurrieren. Beide Filmemacher begegnen sich nun auf Augenhöhe und lassen die Hoffnung steigen, dass bei einer solchen gegenseitigen Konkurrenz Hollywood sein anderes Gesicht zeigt und weiter Filme von so guter Qualität hervorbringt. Das investierte Geld ist bei beiden auf jeden Fall gut aufgehoben und rentiert sich als ein guter Film mit gerechtfertigter hoher Dividende. (Michael Schober, 2.11.2017)

    • Frances McDormand als kämpferische Mildred Hayes in "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri".
      foto: viennale

      Frances McDormand als kämpferische Mildred Hayes in "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri".

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