"House of Cards": Netflix denkt über Spin-offs nach Spacey nach

    1. November 2017, 18:19
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    Spielfilm und Serienableger um Stabschef Stamper und Milliardär Raymond Tusk im Gespräch

    Los Angeles – Rund um Kevin Spacey fielen die Karten nun in rascher Folge: Der Vorwurf sexueller Belästigung eines Minderjährigen, keine neue Staffel von House of Cards, zum Unzeitpunkt Outing als homosexuell, Produktionsstopp der aktuellen Staffel der Netflix-Erfolgsserie. Und nun neue Vorwürfe eines Betroffenen.

    "Viele von uns haben eine Kevin-Spacey-Geschichte", schreibt der mexikanische Schauspieler Roberto Cavazos auf Facebook. Als Spacey 2003 bis 2015 künstlerischer Direktor des Londoner Old Vic Theatre war, habe es unzählige Übergriffe und unerwünschte sexuelle Avancen gegeben.

    "Man musste nur ein Mann von unter 30 sein, damit Herr Spacey sich die Freiheit nahm, einen anzufassen", schrieb der 35-jährige Cavazos auf Facebook. "Es war so alltäglich, dass es sogar zu einem schlechten Insider-Scherz wurde." Immer wieder sei es vorgekommen, dass Spacey junge Schauspieler zu einem Gespräch über ihre Karriere eingeladen habe, zu dem er dann ein Picknick mit Champagner auf der Theaterbühne vorbereitet hätte.

    14-Jähriger von Spacey bedrängt

    Am Sonntag hatte Schauspieler Anthony Rapp (Star Trek: Discovery) dem House of Cards-Hauptdarsteller frühere sexuelle Belästigung vorgeworfen. Spacey habe im Alter von 26 in seinem Apartment den damals erst 14-jährigen Rapp bedrängt. Spacey erklärte Montag auf Twitter, er könne sich nicht an den 30 Jahre zurückliegenden Vorfall erinnern. Wenn es so gewesen sei, entschuldige er sich für seine inakzeptablen Handlungen.

    Der Entschuldigung schloss er ein Outing an: er habe sich "entschlossen, als homosexueller Mann zu leben". Damit offen und ehrlich umzugehen beginne mit "der Prüfung meines eigenen Verhaltens".

    Nicht das einzig ungewöhnliche Timing: Just am Montag verkündete Netflix das (laut mehreren Quellen schon länger beschlossene) Ende von House of Cards mit der sechsten Staffel an.

    Serienableger wird geprüft

    Die wurde gerade in den USA gedreht – bis Dienstagabend. Da verkündete Netflix einen sofortigen und vorläufigen Produktionsstopp, abgestimmt mit der Produktionsfirma Media Rights Capital. Produktion und Plattform zeigten sich von den Vorwürfen "tief erschüttert", nun wollte man sich "Bedenken der Seriencrew" und der Prüfung der Lage widmen. Und wohl auch der Prüfung von Serienablegern von House of Cards ohne Spacey.

    Der Hollywood Reporter berichtet etwa von Überlegungen für einen solchen Spin-off um die Figur des loyalen Stabschefs Doug Kamper, darstellt von Michael Kelly. Auch um Milliardär und Politstrippenzieher Raymond Tusk (Gerald McRaney) wäre eine Serie zu entwickeln. Kolportiert werden auch Pläne für einen House of Cards-Spielfilm – mit anderen Darstellern als Spacey und Robin Wright. (red, 1.11.2017)

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      foto: apa/afp/nicholas kamm
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