Die Seltsamkeiten der Lemuren werden ein Stück verständlicher

    4. November 2017, 12:00
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    Forscher verglichen den Proteingehalt von Früchten auf Madagaskar mit denen aus anderen Regionen: Möglicher Schlüssel zum Verständnis der etwas anderen Primaten

    foto: george selley
    Ein Anosy-Mausmaki – in seinem Bestand gefährdet wie die meisten seiner Verwandten.

    Chicago – Auf dem von uns am weitesten entfernten Zweig des Primatenstammbaums sitzen die Lemuren. Die etwa 100 Lemuren-Arten kommen nur auf Madagaskar vor und haben dort eine Art alternative Entsprechung zur kompletten Affenwelt entwickelt. Während ihre einzigen direkten Verwandten, die Loris Afrikas und Asiens, allesamt kleinwüchsig sind, gibt es Lemuren in verschiedensten Größen. Vor der Ausbreitung des Menschen brachten sie sogar Vertreter in Gorillagröße hervor.

    Abgesehen von anatomischen Details, die Lemuren von den sogenannten Trockennasenaffen (inklusive dem Menschen) unterscheiden, zeigen sie auch einige für Primaten ungewöhnliche Eigenschaften. Sie sind zumeist nachtaktiv und es gibt sogar einige Arten, die in eine Art Winterschlafzustand verfallen können, wenn das Nahrungsangebot schmal wird. Außerdem ernähren sie sich primär von Blättern, während die meisten Primaten bevorzugt Früchte fressen.

    Konsumenten-Test

    Forscher des Field Museum in Chicago haben dies zum Anlass genommen, die Früchtepalette auf Madagaskar mit der in anderen von Primaten besiedelten Regionen zu untersuchen. Und sie glauben darin die Lösung für zumindest einige der Lemuren-typischen Seltsamkeiten gefunden zu haben, wie das Team um Abigail Derby Lewis im Fachmagazin "Scientific Reports" berichtet.

    Die Forscher sammelten in 62 Waldregionen in Afrika, Asien und Südamerika Früchte, die von den dortigen Primaten gefressen werden. An der Universität Hamburg wurden die Proben anschließend auf ihren Proteingehalt – gemessen am enthaltenen Stickstoff – sowie auf ihr Verhältnis von Protein zu Fasern untersucht.

    Schlüsselfaktor der Lemuren-Evolution

    Dabei ergab sich eine recht klare Korrelation: Je weniger Stickstoff die Früchte einer Region enthielten, desto geringer war der Fruchtanteil an der gesamten Nahrung der dortigen Primaten (sowie auch anderer Tiere) – und auf Madagaskar war der Anteil am allerniedrigsten. Die dortigen Früchte sind offenbar weniger nahrhaft.

    Die Forscher glauben daher, dass die relative Stickstoffarmut in Madagaskars Früchten zumindest einige der Besonderheiten der Lemuren erklärt: Nämlich dass sie Blätter bevorzugen, dass einige Arten anders als alle anderen Primaten Strategien entwickelt haben, besonders nahrungsarme Perioden in einem Ruhezustand durchzustehen – und dass andere Lemurenarten dafür schlicht und einfach rund um die Uhr am Fressen sind. (jdo, 4. 11. 2017)

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