Deutscher Atombunker soll Cannabis-Zuchtstation werden

    31. Oktober 2017, 05:58
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    In Deutschland wird künftig in großem Stil Cannabis angebaut: legal, unter staatlicher Kontrolle und zu medizinischen Zwecken

    Memmingen – Einst starteten auf dem Gelände die Kampfflugzeuge der deutschen Bundeswehr. Nachdem der letzte Tornado aus Memmingerberg längst abgezogen ist, sollen dort nun Hanfpflanzen gedeihen. In einem Atomschutzbunker des ehemaligen Fliegerhorsts ein paar Kilometer von Memmingen entfernt wollen Wissenschafter künftig an Cannabispflanzen forschen.

    Das Projekt wird von einem Unternehmer aus Schwaben und der Technischen Universität München vorangetrieben. Noch steht allerdings die Genehmigung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte aus.

    Forschungsprojekt für drei bis vier Jahre

    Sollte die Erlaubnis bis Ende des Jahres vorliegen, könne der Anbau der Cannabispflanzen im Frühjahr 2018 beginnen, sagt Professor Wolfgang Eisenreich von der Fakultät für Chemie der TU München. "Wir stehen in den Startlöchern." Das Forschungsprojekt würde dann mindestens drei bis vier Jahre laufen.

    Für die Erforschung sollen mehrere Doktorandenstellen geschaffen werden. Eisenreich möchte den Anbau und die Inhaltsstoffe von mindestens 80 verschiedenen Zuchtlinien untersuchen. "Es gibt relativ wenige wissenschaftliche Studien zu Cannabis", erklärt er. Nach dem Anbau in dem Atombunker würden die Extrakte der Cannabispflanzen zum TU-Campus in Garching bei München zur Laboranalyse gebracht.

    Sicherheit auf Militäranlage

    Die Allgäuer Gesellschaft Bunker Pflanzenextrakte will den früheren Atombunker für den Anbau nutzen, weil die Militäranlage alle Sicherheitsvoraussetzungen erfülle. Geschäftsführer Christoph Rossner setzt sich nach eigenen Angaben seit 17 Jahren für die Zulassung und Erforschung von Cannabis als Arznei ein. Er habe mehrere Geldgeber im Hintergrund, sagt der 47-Jährige. Namen nennt er allerdings nicht.

    Um die bisher schwierige Versorgung schwerkranker Patienten sicherzustellen, soll auch in Deutschland Cannabis zu medizinischen Zwecken angebaut werden. Ein im März in Kraft getretenes Gesetz hat die Möglichkeiten der therapeutischen Nutzung der Droge erweitert. Beim Bundesinstitut wurde eine Cannabisagentur eingerichtet, um den Handel zu medizinischen Zwecken staatlich zu überwachen. Cannabis kann beispielsweise bei Schmerzpatienten und Kranken mit Multipler Sklerose verschrieben werden.

    Ausschreibung für Cannabis-Lieferung

    Für den Zeitraum 2019 bis 2022 wurde die Lieferung von 6.600 Kilogramm Cannabis von der Behörde ausgeschrieben. Mehr als 100 Interessenten beteiligten sich an dem Verfahren – zumeist Unternehmen aus Deutschland, aber auch aus Israel, Kanada, den Niederlanden, der Schweiz, Uruguay, den USA und Zypern. Das Verfahren ist laut einer Sprecherin des Bundesinstituts noch nicht abgeschlossen.

    Der Atombunker ist ein Relikt des Kalten Krieges. Auf dem Fliegerhorst war einst das Jagdbombergeschwader 34 "Allgäu" der Bundeswehr stationiert. Nach mehr als 40 Jahren wurde die Einheit 2003 aufgelöst und der Militärflugplatz geschlossen. Das Gelände wird nun vom Allgäu Airport genutzt. Unternehmer Rossner kann sich vorstellen, dass der Bunker auch nach dem Forschungsprojekt für den Cannabisanbau im Rahmen des staatlichen Beschaffungsprojekts weiterverwendet wird. (APA, 31.10.2017)

    • Beim deutschen Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte gibt es bereits eine Cannabisagentur.
      foto: apa/dpa/karl-josef hildenbrand

      Beim deutschen Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte gibt es bereits eine Cannabisagentur.

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