Metaller-KV: Sozialpartner nicht einmal bei Inflation einig

30. Oktober 2017, 21:50
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400 Betriebsversammlungen bis zur nächsten Verhandlung am 6. November

Wien – In einem Punkt sind sich Industrie- und Arbeitnehmervertreter in der Herbstlohnrunde der Metaller einig: 35 Stunden Verhandlungen ohne Ergebnis sind Zeitverschwendung. Deshalb haben Metall- und Privatangestelltengewerkschafter den Verhandlungstisch in der Wirtschaftskammer am Montag gegen 20 Uhr verlassen. "Das ist eine riesige Provokation", schäumte Metallgewerkschaftschef Rainer Wimmer. "Die Inflation hat das Fass zum Überlaufen gebracht."

Europäische Inflationsrate

Mit "die Inflation" meint er den jüngsten Vorschlag der Arbeitgeber rund um Veit Schmid-Schmidsfelden, einer Lohnerhöhung nicht die österreichische Inflationsrate zugrunde zu legen, sondern die europäische. "Die Inflationsrate in den Zielländern ist deutlich unter österreichischem Niveau", sagt der geschäftsführende Gesellschafter der Metallwarenerzeugung Rupert Fertinger in Wolkersdorf in Niederösterreich unter Verweis auf den Umstand, dass 80 Prozent der Produktion im Ausland abgesetzt werden.

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Keine Einigung bei den KV-Verhandlungen

"Das ist ein Humbug", kontert Karl Dürtscher von der Privatangestelltengewerkschaft GPA. "Wir verhandeln für österreichische Arbeitnehmer und nicht für niederländische oder italienische."

Bei den Wirtschaftsdaten läuft die Zeit im Prinzip gegen die Arbeitgeber. Denn beim Start der Herbstlohnrunde im September lag die Inflationsrate bei 1,75 Prozent, Ende Oktober hält man bereits bei 1,87 Prozent. Und sie wird noch weiter steigen. Das Wirtschaftsforscher prognostizieren für 2018 1,8 bis 2,1 Prozent und das Bruttoinlangsprodukt um 2,8 Prozent höher. Hinzu kommen täglich neue Meldungen über die erstarkende Konjunktur: Die deutsche Industrie, die von vielen österreichischen Produzenten beliefert wird, zieht jetzt erst so richtig an und dieser Aufschwung soll laut Wirtschaftsexperten auch 2018 anhalten.

Streik als letztes Mittel

"Wir leben in Österreich und zahlen hier die Miete, daher kann sich der Arbeitnehmer auch nicht aussuchen, welche Inflation er zugrunde legt", erteilt Dürtscher dem Wunsch der Industriellen eine Absage. In den 2000er Jahren hatten die Arbeitgeber ähnliches versucht, sie wollten die (damals hohen) Energiekosten aus der Inflationsrate herausrechnen. Statt Verbesserungen habe die Industrie Verschlechterungen bei Ruheszeiten und Auslandsdiäten gefordert.

Nun mobilisieren die Gewerkschafter und Betriebsräte, ab heute, Dienstag, werden bis inklusive 6. November österreichweit 400 Betriebsversammlungen in diversen Sparten der Metallindustrie abgehalten. Gibt es auch in der fünften KV-Runde keinen Kompromiss, würden weitere Kampfmaßnahmen beschlossen – bis hin zu einem Streik. Der sei das letzte Mittel, sagt Wimmer, aber nicht ausgeschlossen.

Arbeitgeber-Chefverhandler Schmid-Schmidtsfelden bedauert, dass die Gewerkschaft den Verhandlungstisch verlassen hat: "Wir verlieren unnötig Zeit." Aber die Gewerkschafter seien offenbar im Konfliktmodus. Zu Gesprächen über ein Angebot, das fair und vernünftig und vor allem verantwortungsvoll für den Wirtschaftsstandort Österreich ist, sei es leider nicht mehr gekommen.

Dabei herrsche Konsens in diesem Punkt. Die Industrie zahle ordentliche Löhne und Gehälter, daher müsse es jetzt darum gehen, die größte Industriebranche der Republik nachhaltig abzusichern, führte Schmid-Schmidsfelden nach den Verhandlungen aus. (ung, 31.10.2017)

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