Brasilien: Sieben Gewalt-Tote pro Stunde

30. Oktober 2017, 19:09
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61.619 gewaltsame Todesfälle – Plus 3,8 Prozent im Jahresvergleich

Rio de Janeiro – Mit 61.619 gewaltsamen Todesfällen ist in Brasilien im vergangenen Jahr ein neuer trauriger Rekord aufgestellt worden. Das entspreche rechnerisch sieben Todesopfern pro Stunde, teilte das auf Sicherheitsfragen spezialisierte Forum Brasileiro de Seguranca Publica am Montag mit Blick auf den neuen Jahresbericht mit.

Die Zahl von fast 62.000 Opfern – vor allem durch Mord und Totschlag – ist ein Anstieg um 3,8 Prozent im Vergleich zu 2015. "Das entspricht etwa den Opferzahlen des Atombombenabwurfs auf Nagasaki 1945", erläuterte das Institut. Zum Vergleich: Vor 30 Jahren lag die Opferzahl in Brasilien noch bei 23.000, 1997 waren es dann bereits 40.000 und 2007 etwa 47.700. Es gab seither kaum Jahre mit rückläufigen Zahlen, allerdings wächst auch die Bevölkerung – in Brasilien leben 207 Millionen Menschen.

437 Soldaten und Polizisten getötet

Unter den Opfern waren im vergangenen Jahr 437 Polizisten und Soldaten – ein Anstieg um 17,5 Prozent. Zugleich starben den Angaben zufolge 4.224 Menschen bei Polizei- und Militäreinsätzen. Amnesty International klagt immer wieder eine überbordende Polizeigewalt an.

Trotz der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro im vergangenen Jahr mit einer starken Militärpräsenz konnte dieser neue Negativrekord nicht verhindert werden. Im Bundesstaat Rio de Janeiro wurden 5.010 Tötungsdelikte registriert. Am dramatischtesten war die Lage in den Bundesstaaten Sergipe (statistisch gab es 64 Tötungsdelikte pro 100.000 Einwohner), gefolgt von Rio Grande do Norte (56,9/100.000 Einwohner) und Alagoas (55,9/100.000 Einwohner). Zum Vergleich: In Österreich lag die Quote zuletzt bei rund 0,5 Tötungsdelikten je 100.000 Einwohner.

Auch im laufenden Jahr sieht die Lage nicht besser aus, in Rio wird ein weiterer Anstieg der Mordzahlen erwartet. Seit Wochen kommt es in Rio de Janeiro in einigen Favelas zu kriegsähnlichen Szenen. (APA, 30.10.2017)

  • Soldaten in der Favela Mineira in Rio de Janeiro.
    foto: reuters/moraes

    Soldaten in der Favela Mineira in Rio de Janeiro.

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