Bauland wird meist viel zu teuer angeboten

30. Oktober 2017, 16:19
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Angebotspreise und tatsächlich erzielte Kaufpreise klaffen im österreichweiten Schnitt um 15 Prozent auseinander

Wien – Beim Kauf von Bauland gibt es in Österreich meist großen Verhandlungsspielraum. Denn die Angebotspreise liegen im Schnitt um 15 Prozent über den dann tatsächlich erzielten Kaufpreisen, wie aus der Untersuchung von 30.000 Inseraten und ebenso vielen Grundbucheinträgen zwischen 1. Juli 2016 und 30. Juni 2017 hervorgeht. Die Studie führte die Immobilien-Plattform willhaben.at mit IMMOunited durch.

Der Realismus der Anbieter hat sich allerdings gegenüber dem Jahr davor, als die Untersuchung zum ersten Mal durchgeführt wurde, verbessert. Damals hatte die Abweichung im Schnitt noch 18 Prozent betragen.

Am stärksten in ganz Österreich klafften die Vorstellungen der Verkäufer mit den am Markt dann durchgesetzten Preisen zuletzt im Bezirk Kitzbühel mit einer Lücke von 35 Prozent auseinander. Am realistischsten waren die Angebotspreise in den Bezirken St. Pölten-Stadt und Steyr-Land (mit je 1,6 Prozent) sowie im steirischen Murtal mit 1,7 Prozent. Im Jahr davor hatte die geringste Spreizung noch rund 3 Prozent betragen – damals im steirischen Bezirk Voitsberg.

Preisvorstellungen objektiv zu hoch

In manchen Fällen sind die Preisvorstellungen der Verkäufer betreffend Bewertung und Lage laut willhaben.at objektiv einfach zu hoch. Oft stünden aber auch durchaus realistische Vorstellungen einer zu kleinen, potenziellen Käufergruppe gegenüber – so etwa im Hochpreissegment.

Im Burgenland konnte man Verkäufer von Grundstücken in den zwölf Monaten bis Juli 2017 im Schnitt vor allem in den Bezirken Neusiedl am See und Güssing (um je 26 Prozent) sowie in Eisenstadt-Umgebung (25 Prozent) herunterhandeln. Im Bezirk Oberwart hingegen lag der Unterschied zwischen Angebots- und Kaufpreisen – wie auch schon im Jahr davor – bei nur 4 Prozent.

Spürbar billiger zu haben als anfangs gedacht war Bauland in Kärnten beispielsweise im Bezirk Klagenfurt-Land (22 Prozent). Deutlich weniger Verhandlungsspielraum gab es dafür in den Bezirken Völkermarkt (4 Prozent), St. Veit an der Glan (5 Prozent) und Feldkirchen (rund 2 Prozent). In den meisten restlichen Bezirken in dem Bundesland erzielten Verkäufer letztlich tatsächlich im Schnitt nur um 15 Prozent geringere Preise als geplant.

Preisschere in Tulln

Auch in Niederösterreich lag der Preisabschlag meist nahezu in dieser Größenordnung. Am größten war die Preisschere in den Bezirken Tulln (21 Prozent) sowie St. Pölten-Land und Gänserndorf (je 20 Prozent). Relativ marktkonform waren die Angebotspreise hingegen im Bezirk St. Pölten mit einer Abweichung vom Kaufpreis von nur 1,6 Prozent.

Zumeist mit einem Aufschlag über dem bundesweiten Schnitt von 15 Prozent wurden im Untersuchungszeitraum Grundstücke in Oberösterreich offeriert. Besonders eklatant über dem gängigen Marktwert lagen die Vorstellungen der Verkäufer im Bezirk Vöcklabruck mit einer Abweichung von rund 30 Prozent. Realistisch waren die Anbieter in dem Bundesland lediglich in Urfahr-Umgebung (5 Prozent), Ried im Innkreis (3 Prozent) und Steyr-Land (1,6 Prozent).

In der Steiermark wurde der Markt von den Verkäufern vor allem im Bezirk Hartberg-Fürstenfeld überschätzt – hier war mit Abschlägen von bis zu 27 Prozent zu rechnen. Im Murtal war man da mit einem Auseinanderdriften von Angebots- und Kaufpreisen von nur 1,7 Prozent wesentlich realistischer.

Verhandlungsspielraum

Durch die Bank deutlich teurer angeboten als dann verkauft wurden die Grundstücke in sämtlichen Bezirken Salzburgs – beispielsweise mit einem durchschnittlichen Verhandlungsspielraum nach unten von rund 25 bzw. 24 Prozent in den Bezirken Zell am See und Hallein. Die "kleinste" Preisschere in dem Bundesland wies der Bezirk Tamsweg mit 16 Prozent aus.

Neben dem bereits genannten Ausreißer nach oben in Kitzbühel lagen in Tirol auch die Angebotspreise in Imst (25 Prozent) und Innsbruck-Land (19 Prozent) massiv über den Marktvorstellungen. Gemäßigter waren die Abweichungen im Bezirk Kufstein mit im Schnitt rund 9 Prozent.

Seit 2009 wechselten laut den von IMMOunited erfassten Grundbucheinträgen etwa 212.000 Grundstücke in Österreich den Eigentümer – die Preise erhöhten sich im Schnitt um 4,8 Prozent pro Jahr. Das verkaufte Bauland war durchschnittlich 972 Quadratmeter groß, der Durchschnittspreis lag bei 175.860 Euro. (APA, 30.10.2017)

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