Salzburger Gesundheitspolitik warnt vor Zentralisierungstendenzen

    30. Oktober 2017, 12:55
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    Sozialpartner und Gesundheitsreferent wollen Versorgung weiter in der Hand der Länder

    Salzburg – Ein breit aufgestelltes Podium hat am Montag in Salzburg vor Zentralisierungstendenzen im Gesundheitsbereich gewarnt. Ärztekammer, Wirtschaftskammer, Arbeiterkammer und Gebietskrankenkasse sprachen sich gemeinsam mit Landeshauptmann-Stellvertreter und Gesundheitsreferent Christian Stöckl (ÖVP) für die Beibehaltungen der regionalen Verwaltung im Gesundheitsbereich aus.

    "Ich kann nur davor warnen, das Gesundheitssystem zu zentralisieren. Im Gegenteil, es gibt viele Synergien, die wir im Land nutzen können", sagte Stöckl bei einer Pressekonferenz. Als Beispiel erwähnte der Politiker das Angebot an Lehrpraxen im Land Salzburg. Erst vergangene Woche habe man in diesem Bereich eine Einigung erzielt. "Bundesweit ist dafür weit und breit keine Lösung in Sicht", meinte Stöckl.

    In Salzburg würden alle beteiligten Institutionen am übergeordneten Ziel eines hochwertigen Gesundheitssystems arbeiten, erklärte Ärztekammer-Präsident Karl Forstner. "Dieses Salzburger Klima stellt uns in vielen Punkten an die Spitze in Österreich. Zentralisierungstendenzen kollidieren mit diesem Lösungsansatz", sagte der Ärztevertreter.

    Gegen Zusammenlegung der SV-Träger

    Arbeiterkammer-Präsident Siegfried Pichler sprach sich gegen die diskutierte Zusammenlegung von Sozialversicherungsträgern aus. "Das sind einfache Antworten für komplizierte Angelegenheiten. Die Krankenversicherung und die Pensionsversicherung zusammenzulegen ist, wie das Verteidigungsministerium mit dem Bildungsministerium zusammenzulegen", sagte Pichler.

    Die Vorzüge einer regionalen Gesundheitsversorgung zeigen sich in der Praxis, meinte Andreas Huss, Obmann der Salzburger Gebietskrankenkasse. So gebe es in Salzburg mit dem Primärversorgungsnetzwerk im Tennengau ein österreichweites Pilotprojekt. "Ein Primärversorgungszentrum ist ein Zentrum an einem Standort. Wir haben versucht, die Hausärzte im Tennengau gut zu vernetzen. Dafür herrscht in Wien Unverständnis", meinte Huss. Er äußerte auch "die konkrete Befürchtung, dass in Zukunft Gesundheitsversorgung aus der Wiener Brille gemacht wird. Wien hat aber keinen Ärztemangel."

    Den Koalitionsverhandlungen zwischen ÖVP und FPÖ wollte aber niemand vorgreifen. "Das, was wir derzeit kennen, ist so wenig präzise, dass man keine Aussage dazu treffen kann. Wir werden es beurteilen, wenn ein Regierungsprogramm vorliegt. Ich halte es aber für enttäuschend, dass das Gesundheitswesen nicht prominenter in den Verhandlungen vorkommt", sagte Forstner.

    Regionaler Appell

    Stöckl berichtete, dass sich die Gesundheitsreferenten der ÖVP getroffen hätten und den Verhandlern ihrer Partei ein detailliertes Papier mitgegeben hätten. "Ich appelliere, dass erkannt wird, dass das Regionale wichtig ist. Ich bin aber überzeugt, dass meine Parteifreunde das wissen", sagte Stöckl. Zur diskutierten Abschaffung der Pflichtmitgliedschaft in den Kammern äußerten sich alle Vertreter kritisch. "Wer die Sozialpartnerschaft infrage stellt, stellt ein Erfolgsmodell infrage. Es mag auch anders funktionieren. Aber diese Balance, die wir haben, hat einen extrem hohen Wert. Es ist ein unglaublicher Schatz, den wir haben, eine sehr differenzierte Meinungsbildung zuzulassen", sagte Forstner. "Viele Bereiche, die jetzt die Kammern abdecken, müssten dann von der öffentlichen Hand gemacht werden", warnte Stöckl. (APA, 30.10.2017)

    • Ein breit aufgestelltes Podium hat am Montag in Salzburg vor Zentralisierungstendenzen im Gesundheitsbereich gewarnt.
      foto: apa / borislav zhuykov

      Ein breit aufgestelltes Podium hat am Montag in Salzburg vor Zentralisierungstendenzen im Gesundheitsbereich gewarnt.

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