Studie: Kiffer sind keine Sexmuffel

    30. Oktober 2017, 09:36
    227 Postings

    Eine Studie der Universität Stanford hat die Libido von Cannabis-Konsumenten untersucht. Die sexuelle Aktivität scheint nicht beeinträchtigt zu sein

    Häufiges Kiffen scheint Amerikanern den Spaß am Sex nicht zu verderben – eher sogar im Gegenteil. Das legt zumindest eine Studie von Urologen der Universität Stanford (Kalifornien) im neuen "Journal of Sexual Medicine" nahe. Das Team um Andrew Sun verglich Zahlen aus einem großen US-Gesundheitssurvey.

    50.000 Männer und Frauen zwischen 25 und 45 Jahren hatten darin Angaben zu ihrem Cannabis-Konsum im Vorjahr und der Sex-Häufigkeit gemacht. Ungeachtet von Alter, Geschlecht, Ethnie oder Lebenssituation zeigte sich: Wer täglich kiffte, hatte um etwa ein Fünftel häufiger Geschlechtsverkehr als Cannabis-Abstinenzler. Frauen hatten demnach in vier Wochen 7,1 statt sechs Mal Sex, Männer 6,9 statt 5,6 Mal.

    "Häufiger Marihuana-Konsum scheint die sexuelle Motivation und Leistungsfähigkeit nicht zu schmälern. Wenn überhaupt, dann steht er mit erhöhter Koitus-Frequenz in Zusammenhang", bilanziert Senior-Autor Michael Eisenberg. Die Sex-Häufigkeit stieg dabei ziemlich parallel zum Cannabis-Konsum an – unabhängig davon, ob die Befragten auch andere Drogen wie Alkohol oder Kokain konsumierten oder nicht. Wie hoch die einzelnen Dosen waren, geht aus dem Datenmaterial nicht hervor.

    Falsche Schlüsse

    Allerdings stellt die Arbeit auch keinen kausalen Zusammenhang her, sondern nur eine Korrelation. "Die Studie sagt nicht: Wenn du Marihuana rauchst, hast du mehr Sex", betont Eisenberg. Michael Sommer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Männergesundheit, hält den Zusammenhang dennoch für schlüssig: "Dass man bei moderatem Cannabis-Gebrauch lockerer wird, ist bekannt."

    Bisher hatten Fachleute und Studien intensives Kiffen eher mit Libido-Verlust in Verbindung gebracht, bei Männern teils auch mit Erektionsschwierigkeiten und verminderter Spermien-Qualität. Andererseits hatten Versuche bei Tieren und Menschen gezeigt, dass Marihuana Hirnregionen stimuliert, die für sexuelle Erregung und Aktivität wichtig sind. In den USA ist Marihuana in derzeit 29 Bundesstaaten als Medizin oder zum Freizeit-Gebrauch erlaubt. Rund 22 Millionen erwachsene Amerikaner konsumieren es regelmäßig. (APA, 30.10.2017)

    Originalpublikation:

    Association Between Marijuana Use and Sexual Frequency in the United States: A Population-Based Study

    Zum Weiterlesen:

    93 Millionen Europäer haben zumindest einmal illegale Drogen konsumiert

    Deutsche Experten: Cannabis kein Allheilmittel für Schmerztherapie

    Österreichische Psychiater warnen Wirkung von Cannabis zu wenig erforscht

    • Joints killen nicht die Lust, sagen Wissenschafter der University of California. Dort ist Cannabiskonsum erlaubt.
      foto: reuters

      Joints killen nicht die Lust, sagen Wissenschafter der University of California. Dort ist Cannabiskonsum erlaubt.

    Share if you care.