Suchen gehört zu meinem Alltag

    30. Oktober 2017, 06:00
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    Der Zauberer und Illusionist Robert Kaldy-Karo frönt in seiner Wohnung unweit des Wiener Naschmarkts seiner Sammelleidenschaft

    Robert Kaldy-Karo, Zauberer, Illusionist und Leiter des Circus- und Clownmuseums, wohnt in der Nähe des Wiener Naschmarkts inmitten von alten Flaschen, Hofnarren, Space-Pistols – und ein bisschen Magie.

    "Bei mir ist alles bummvoll. Sogar die Toilette, wo ich meine Space-Pistols-Sammlung aufbewahre. Momentan bin ich auch ein leidenschaftlicher Sammler von sogenannten eingerichteten Flaschen. Die haben die Bauern früher gestiftet, wenn etwas gut ausgegangen ist. Dafür habe ich mich vor kurzem erst von meinen 2000 Zinnfiguren getrennt, die ich in der Wohnung nirgends mehr untergebracht habe.

    foto: lisi specht
    Robert Kaldy-Karo hinter der Bar im Eingangsbereich seiner Wohnung, wo er am liebsten mit seinen Gästen steht – und bei Interesse auch einmal Zaubertricks vorführt.

    Ich weiß gar nicht mehr genau, wann ich hier eingezogen bin. Es muss irgendwann in den 1970er-Jahren gewesen sein, als ich diese 80 Quadratmeter große Mietwohnung gefunden habe. Zwischendurch hatte ich einmal ein Haus mit einem 1000 Quadratmeter großen Grund. Da bin ich aber wahnsinnig geworden. Ich habe es verkauft und bin wieder hier eingezogen.

    Meine Möbel sind Maßarbeit vom Tischler. Alle zehn bis zwölf Jahre lasse ich alles neu machen. Demnächst wird wieder meine gesamte Wohnung umgebaut. Für das Podest im Wohnzimmer, auf dem mein Bett steht, habe ich schon eine neue Idee: Ich hätte gern einen Kasten, der sich automatisch öffnet und bei dem dann das Bett rausgefahren kommt – wie von Zauberhand! Ich habe ja schon vor 25 Jahren, also lange vor jeder Smartwohnung, von einer magischen Wohnung geträumt, in der alles mit einer Fernsteuerung geregelt wird.

    fotos: lisi specht
    Momentan sammelt Kaldy-Karo mit Leidenschaft sogenannte "eingerichtete Flaschen" (links).

    An Möbeln hängt mein Herz ehrlich gesagt nicht. Die haben mich nie wirklich interessiert. Möbel müssen für mich funktional sein und eine Gediegenheit ausstrahlen. Ich bin ein Fan von Edgar Allan Poe, das merkt man bei meinen Kostümen auf der Bühne und auch bei meinem Möbelgeschmack. Ich hab's gern dunkel, und die Vorhänge müssen arabesk sein. Meine Orientteppiche sind noch von meinem Vater und 100 Jahre alt – und dank des Zyklonstaubsaugers meiner Haushälterin immer wunderbar sauber.

    Ich bin in Wohnräumen mit 4,5 Meter Höhe aufgewachsen. Das hat mich wahnsinnig gemacht. Ich brauche niedrige Räume. In meiner Wohnung wird zudem alles punktgenau mit Bühnenscheinwerfern ausgeleuchtet. Ich brauche es, dass es nie ganz ruhig ist. Im Hintergrund hört man daher immer den ewigen Kreisel, der sich tagelang dreht.

    Hier im Haus hab ich mir mittlerweile auch einen Lagerraum angemietet für alle meine Kostüme. Viele Gegenstände lagere ich auch im Museum. Gott sei Dank habe ich den Vorschlag eines Freundes ausgeschlagen, auch noch Modellkanonen zu sammeln. Dafür habe ich dann begonnen, Hofnarren zu sammeln. Jetzt hab ich schon wieder 30 Hofnarren beisammen. Zum Glück gibt's davon aber nicht so viele.

    fotos: lisi specht
    Demnächst soll die ganze Wohnung von Robert Kaldy-Karo wieder einmal umgebaut werden.

    Die meisten meiner Sammlerstücke habe ich von Flohmärkten und Auktionen. Ich komme aus einer Sammlerfamilie und habe auch einiges von meinem Vater geerbt. 99 Prozent der Dinge, die ich besitze, habe ich im Kopf. Aber Suchen gehört trotzdem zu meinem Alltag. Zum Glück kommt meine Putzfrau zweimal in der Woche und sorgt für Ordnung.

    Die meiste Zeit verbringe ich zu Hause an meinem Schreibtisch. Mit Gästen stehe ich aber am liebsten an meiner Bar gleich beim Wohnungseingang. Ich bin ein Steher und lehne an der Bar, bis ich rausgetragen werde. An der Bar kann man auch sehr schön zaubern! Aber nur, wenn es sich ergibt. Ich gehöre ja zu den Zauberern, die sich eher zurückhalten.

    Diese Wohnung ist genau, was mir gefällt. Ich bin so viel unterwegs in meinem Leben, aber ich freue mich immer, wenn ich heimkomme. Was ich sicher nicht brauche, ist eine größere Wohnung. Um Himmels willen! Dann würde ich wahrscheinlich noch mehr sammeln." (30.10.2017)

    Robert Kaldy-Karo, geboren 1951 in Wien, zaubert seit seinem 14. Lebensjahr. Der Historiker ist seit 1978 Direktor des Wiener Zaubertheaters und seit 2005 Direktor des Circus- und Clownmuseums. Er organisierte nationale und internationale Zauberkongresse, verfasste bisher 1300 Artikel sowie 40 Bücher und Ausstellungsführer zu den Themen Zauberkunst, Zirkus, Prater sowie unterschiedliche Biografien von Zauberkünstlern. Außerdem hat er Ausstellungen zu den Themen in diversen Museen kuratiert.

    Link

    Circus- und Clownmuseum

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