Ökostromanbieter sollen "ab Hof" verkaufen

27. Oktober 2017, 07:00
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Selbstvermarktende Bauern als Vorbild – Elektronische Plattform ab Mitte November

Wien – Hilfe zur Selbsthilfe. Das will eine Gruppe Gleichgesinnter für die wachsende Zahl von Ökostromproduzenten aufstellen, die keine fixen Einspeisetarife mehr bekommen. Sie sind schon sehr weit damit. Mitte November wird die eigens dafür geschaffene elektronische Plattform namens alpenenergie.at online gehen.

"Seit zwei Jahren habe ich diese Idee. Alle Vorarbeiten sind gemacht, jetzt kann es losgehen", sagte Thomas Eisenhuth dem STANDARD. Eisenhuth, der schon lange Branchenerfahrung hat, betreibt hauptberuflich eine Agentur für Energiehandel in Wien.

In Österreich speisten rund 3.000 Kleinwasserkraftwerke Strom in das öffentliche Netz ein, der Großteil ungefördert. Bei Wind seien derzeit 2.500 Megawatt (MW) Leistung installiert. Jedes Jahr fielen nun rund 250 MW aus der Förderung, weil die für 13 Jahre garantierte Unterstützungszahlung dem Ende zugeht.

Vorbei am Ruin

"Der Marktpreis ist noch immer zu tief; wenn ein Hochwasser kommt oder der Flügel eines Windrades bricht, bedeutet das meist den finanziellen Ruin für den Betreiber", sagte Eisenhuth. Seine Überlegung sei gewesen: "Etwas Neues muss her."

Vorbild waren die Bauern. In Österreich gibt es mehr als 30.000 Landwirte, die ihre Produkte selbst vermarkten, an Raiffeisen vorbei, ab Hof. Die meisten fahren gut damit und kommen auf deutlich höhere Erlöse als vorher. "Das muss doch auch mit Ökostrom möglich sein", dachte Eisenhuth.

Gerade unter den Betreibern von Kleinwasserkraftwerken (bis zehn MW Leistung) befinden sich viele, die einen Gewerbebetrieb haben oder eine Firma mit eigenem Kundenkreis – Müller, Tischler, Landwirte. "Die ersparen sich die Kosten für Akquise, weil sie potenzielle Stromabnehmer unter ihren Kunden haben", sagte Eisenhuth. "Wir bieten ein Abrechnungssystem, Wechselmanagement, Vertragsvorlagen, das Verkaufsumfeld und haben auch die Lizenz, Endkunden zu beliefern."

Mitte November

Die Kosten für die Website, die für jeden interessierten Ökostromanbieter, der auf die Plattform will, maßgeschneidert wird, lägen "deutlich unter 1.000 Euro". Neben diesen Einmalkosten fielen jährlich noch "ein paar Euro" für die Wartung an, sagte Eisenhuth.

Online gehen soll die elektronische Plattform Mitte November, zunächst mit Anbietern von Strom aus Kleinwasserkraft, bald aber auch mit Angeboten aus dem Photovoltaik- und Biomassebereich. Eisenhuth ist vorsichtig, was die mögliche Zahl der Anbieter auf der Plattform betrifft, "aber 100 sollten es schon werden".

Im Schnitt könnten sie mit einer Vergütung von mindestens einem Cent über dem Börsenpreis rechnen. Das entspreche einem Zuschlag von 25 bis 30 Prozent pro abgesetzte Kilowattstunde. (Günther Strobl, 27.10.2017)

  • Mit Direktvermarktung von Strom aus Kleinwasserkraftwerken hoffen Betreiber, ihre Erlösmöglichkeiten steigern zu können.
    foto: getty images

    Mit Direktvermarktung von Strom aus Kleinwasserkraftwerken hoffen Betreiber, ihre Erlösmöglichkeiten steigern zu können.

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