USA: 160 Drogentote pro Tag

    25. Oktober 2017, 10:16
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    Zwei Millionen US-Amerikaner sind abhängig von durch Ärzten verschriebene Opioide. Schuld ist auch eine bestimmte Formulierung von Arzneimitteln

    Die USA werden derzeit von einer tödlichen Drogenepidemie mit pro Tag rund 160 Todesopfern vor allem durch Opiat-Überdosierungen heimgesucht. Einer der Gründe für das Entstehen dieses enormen Problems war eine bestimmte Formulierung von Oxycodon- und ähnlichen Opioid-Analgetika, hieß es kürzlich beim europäischen Suchtkongress "Lisbon Addiction 2017".

    "Im Jahr 2000 hatten wir drei Drogen-Todesfälle pro 100.000 Menschen. 2014 waren es bereits neun je 100.000 Personen. Die Situation wird immer schlimmer. Die Opfer sind zu mehr als 80 Prozent Weiße, nicht hispanisch-stämmige Personen", so Richard Dart von der University of Colorado. Egal, ob Opioide als Medizin gegen Schmerzen verschrieben würden oder am Beginn des Gebrauches die Benutzung als Droge "zum Ausspannen" stehe, ein gewisser und kleiner Anteil der Konsumenten sei für eine Suchtentwicklung vulnerabel.

    In den USA stieg besonders ab der Jahrtausendwende die Häufigkeit der Verschreibung von Opioid-Analgetika dramatisch an. Hydrocodon mit der eineinhalb so starken Wirkung wie Morphin und das ebenfalls sehr stark wirksame Dihydrocodeinon (Oxycodon) wurden von Ärzten vermehrt verschrieben. "Für Sucht anfällige Patienten begannen die Kapseln zu lutschen, zu zerkauen. Dann zerstampften sie die Kapseln, was die Wirkstoffe injizierbar oder schnupfbar machte", so der US-Experte.

    Zwei Millionen Abhängige

    In den USA sind laut "New England Journal of Medicine" rund zwei Millionen Menschen abhängig von durch Ärzte verschriebenen Opioid-Analgetika. Die Zahl der Menschen, die damit Missbrauch betreibt, soll bei zwölf Millionen liegen. Laut der Medizinfachzeitschrift war die massive Bewerbung der Schmerzmittel unter den medizinischen Laien ein wesentlicher Grund für das Entstehen der Probleme ("A pill for every ill"; Anm.).

    Mittlerweile haben die Pharmakonzerne in den USA die Formulierung dieser Medikamente geändert. Seit 2011, als man Oxycodon auf eine Form umstellte, die das Zerkleinern der Kapseln schwierig macht, geht der Anteil der verwendeten Oxycodon-Präparate zurück, berichtet Dart. Doch die Opiat-Abhängigen würden übrigbleiben. So stiegen viele dieser durch Arzneimittel süchtig gewordenen Patienten auf illegale Drogen wie Heroin um, das mittlerweile teilweise dazu auch noch billiger als die Medikamente ist.

    Hinzu kam in den USA – diese Entwicklung gibt es vereinzelt auch in Europa –, dass in China illegal produziertes Fentanyl (extrem wirksames synthetisches Opioid) auf den Drogenmarkt gelangt. Es ist billig zu produzieren, nur geringste Mengen müssen geschmuggelt werden. Wegen der sehr leicht erfolgenden Überdosierung mit tödlichem Atemversagen als Folge ist Fentanyl besonders gefährlich. (APA, 25.10.2017)

    • Viele Süchtige steigen von Medikamenten auf Heroin um, das teilweise auch billiger ist.
      foto: apa/afp/getty images/spencer pla

      Viele Süchtige steigen von Medikamenten auf Heroin um, das teilweise auch billiger ist.

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